
Handel, Autoindustrie und öffentlicher Sektor – Unternehmen aus diesen drei Wirtschaftszweigen stehen derzeit besonders hoch im Kurs als potentielle Arbeitgeber für Deutschlands Schülerinnen und Schüler. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des „Schülerbarometers 2026“ des Trendence Instituts, einem auf den Arbeitsmarkt fokussierten Marktforschungsunternehmen aus Berlin.
Befragt wurden dafür mehr als 10.800 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 13 an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Über einen Onlinefragebogen sollten sie bis zu drei Arbeitgeber angeben, bei denen sie sich am ehesten bewerben würden.
Ganz vorn landete dabei der Sportwagenhersteller Porsche, rund 15 Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, sich bei dem baden-württembergischen Unternehmen zu bewerben. Allerdings waren das fast 2 Prozentpunkte weniger als 2025. Den zweiten Rang belegte der Porsche-Konkurrent BMW mit einem Wert von gut 13 Prozent und damit einem Prozentpunkt weniger als in der Befragung aus dem vergangenen Jahr. Damals landeten beide Autokonzerne ebenfalls an der Spitze der Rangliste.
Die Autobranche verliert
Auf Platz drei folgt in diesem Jahr mit gut 11 Prozent die Polizei als Arbeitgeber und überholt damit den zuletzt drittplatzierten Autohersteller Mercedes-Benz, der mit einem Minus von 2,6 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorjahresumfrage unter allen Arbeitgebern am meisten Attraktivität eingebüßt hat. Mit einem Minus von 1,5 Prozentpunkten musste auch die Audi AG einen vergleichsweise großen Rückgang hinnehmen.
Weil die Anziehungskraft einzelner Hersteller sinkt, fällt die Attraktivität der Autobranche als Ganzes deutlich geringer aus. Im Vorjahr konnten sich noch 27,7 Prozent der Befragten vorstellen, sich am ehesten bei einem Autokonzern zu bewerben, in diesem Jahr sind es 24,2 Prozent – ein Minus von 3,5 Prozentpunkten. Das reicht für den zweiten Platz hinter der Handelsbranche mit Unternehmen wie Douglas, Amazon oder dem Drogeriemarkt dm, die auf 38,1 Prozent kommt und damit 2,5 Prozentpunkte zulegt. Auf Rang drei der Branchenrangliste folgen Arbeitgeber aus dem öffentlichen Sektor und Nichtregierungsorganisationen. Dazu zählen die Polizei, die Bundeswehr und das Deutsche Rote Kreuz.
Lokale Relevanz ist wichtig
Laut Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah spricht diese Entwicklung dafür, dass reines Markenprestige oder ein Ruf als Premiummarke für mögliche Bewerber etwas an Zugkraft verlieren. „Wichtiger werden offensichtlich Arbeitgeber, deren Berufe, Einstiegsmöglichkeiten und Entwicklungspfade für Schüler und Schülerinnen unmittelbarer erkennbar sind.“
Die Handelsbranche gewinne schon seit der Corona-Pandemie an Zuspruch als potentieller Arbeitgeber, sagt Trendence-Geschäftsführer Ullah. Dass Einzelhändler als systemrelevant eingeschätzt wurden, habe ihnen einen Schub gegeben, der immer noch trage. Hinzu komme die Relevanz im Alltag der Schülerinnen und Schüler: „Gerade Arbeitgeber aus dem Einzelhandel und aus dem unmittelbaren Konsumumfeld profitieren offenbar davon, dass sie im Alltag junger Menschen präsent sind, konkrete Tätigkeiten und klare Ausbildungswege vermitteln und damit einen besonders greifbaren Einstieg in die Berufswelt versprechen.“ Generell hätten es Unternehmen mit Endkundenkontakt leichter in der Befragung als solche, die Geschäftskunden bedienten.
