
Zu erwarten war es ja, aber jetzt schon? Und gleich in dieser Deutlichkeit? Chinesische Motorradhersteller breiten sich auch auf dem deutschen Markt aus, der stets als ein besonders anspruchsvoller galt. Es hatte Vermutungen gegeben, das werde ihnen so schnell nicht gelingen in einer stark von Image und Emotion getragenen Branche, in der Tradition hohen Stellenwert hat und sich demzufolge geschichts- und gesichtslose Marken mit merkwürdigen Namen schwertun könnten.
Denkste. Vielen Kunden ist es offenbar nicht so wichtig, welcher Schriftzug am Tank steht, mit welchen Wettbewerbspraktiken, vor welchem politischen Hintergrund China zu Werke geht. Hauptsache, man kommt günstig an ein Motorrad. Und das ist ja der Fall: Ausstattung üppig, Preis-Leistungs-Verhältnis attraktiv, Produkte solide, nur noch selten Murks. Die Top-10-Rangliste der Hersteller von Krafträdern über 125 Kubik führen nach dem ersten Halbjahr 2026 wie gewohnt BMW, Honda, Kawasaki und Yamaha an. Es folgen mit Abstand KTM und Triumph, denen das Unternehmen Zhejiang Chunfeng, besser bekannt unter dem Markennamen CF Moto, schon arg im Nacken sitzt. Die Chinesen (plus 1518 Prozent) haben sich gut 5 Prozent Marktanteil und Platz 7 erobert, weniger als 200 Einheiten fehlen ihnen in der Statistik der Neuzulassungen für Rang 5.
Erfolge auch in den höheren Klassen
Ducati, Harley-Davidson und Suzuki haben sie schon hinter sich gelassen. Und das nicht nur mit Kleinkram. Achthunderter und Tausender verkauft CF Moto ebenfalls, gleich fünf Modelle schafften es in die Top 50 der meisterkauften Motorräder. Zum Vergleich: Triumph, Ducati, KTM, Suzuki, Royal Enfield je eins, Harley, Indian, Moto Guzzi null. Dagegen gelang es mit Voge einer weiteren China-Marke, ein Modell in die Top 50 zu schieben.
Im Feld der Leichtkrafträder reden inzwischen Benda, QJ, Voge und Zontes mit. Bei den Kraftrollern hat sich ein Zontes besser verkauft als der erfolgreichste BMW. Niu dominiert den Markt der elektrischen Kraft- und Leichtkraftroller. Und wer die kraftstrotzenden Auftritte der China-Marken vorigen Herbst auf der Zweirad-Leitmesse Eicma in Mailand gesehen hat, dem schwant: Das alles ist nur der Anfang.
