Wer keine Kinder hat, soll mehr für die Pflege zahlen – so lautet die jüngste Reformidee. Gerechter wäre es, endlich alle an den Kosten des Solidarsystems zu beteiligen
© Sofia Brandes für DIE ZEIT
Jetzt sollen also Kinderlose die Pflegeversicherung sanieren. Ein Zehntelprozent mehr ihres Gehalts sollen sie in die Sozialkasse zahlen. Das ist die jüngste Reformidee, die gerade kursiert. Sie mag gerecht klingen und sogar den Eindruck politischer Handlungsfähigkeit vermitteln. Tatsächlich würde sie aber kaum nützen.
Die gesetzliche Pflegeversicherung steckt nicht in einer kleinen, vorübergehenden Krise, sondern in einer strukturellen. Ihre Ausgaben sind von 24 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 74 Milliarden im vergangenen Jahr gestiegen. Rechnet man die Inflation heraus, ist das ein Anstieg um über 130 Prozent. Für dieses Jahr erwarten die Pflegekassen ein Defizit von mehr als 4 Milliarden, für 2028 rechnet Gesundheitsministerin Nina Warken sogar mit einem Minus von über 15 Milliarden Euro.
