Wenn Eltern zu Pflegefällen werden, entstehen ganz
neue Anforderungen an Familien. Oft geht es darum, wer sich kümmert, wer
Verantwortung übernimmt, wer welche Last trägt. In unserer Serie »Familienrat«
erklärt der Münchner Autor und Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer, wie man durch diese schwierige
Phase kommt.
DIE ZEIT: Viele Familien vermeiden ein Thema, das früher oder später doch fast alle betrifft: Was passiert, wenn die Eltern pflegebedürftig werden?
Wolfgang Schmidbauer: Pflegebedürftigkeit bringt häufig sehr überraschende Belastungen mit sich. Etwa bis Mitte des 20. Jahrhunderts war in Familien so etwas selbstverständlich geregelt. In der bäuerlich geprägten Welt war klar, wer für die Versorgung der alten Eltern zuständig war. Oft gab es den sogenannten Austrag: Das war ein kleiner Wohnbereich im Hof, in dem die Eltern lebten. Es gab klare Verpflichtungen, wie sie dort versorgt werden sollten. Heute leben Familien oft weit verstreut. Und noch etwas hat sich verändert: Die Medizin hat die Phase des Alters enorm verlängert.
