
Damit Ende Juni wieder Autos im Parkhaus am Seedammbad in Bad Homburg parken können, arbeiten die Angestellten eines Spezialunternehmens aus der Nähe von Stuttgart mit Hochdruck. Aus den Düsen der Geräte kommt ein Gemisch aus Trockeneis-Pellets und Luft. Wenn es auf den verbrannten Stahlbeton der Wände, Decke und Böden trifft, zerplatzt das Granulat und beseitigt den hartnäckigen Schmutz.
So erklärt es Mehmet Devril am Mittwoch im Erdgeschoss. Der Geschäftsführer des Unternehmens A-TEG steht an der Stelle, an der bei dem Feuer am 23. April 36 Autos schwer beschädigt worden sind. Elf davon brannten nach der mutmaßlichen Tat eines Brandstifters völlig aus. Devrils Mitarbeiter in den gelben und weißen Schutzanzügen, insgesamt 58 Leute, sanieren das Gebäude im Auftrag der Stadt. Wo die Flammen besonders gewütet haben, klemmen Dutzende Stahlstützen zwischen Boden und Decke. Die Stützen in passender Höhe zu besorgen, sei eine Herausforderung gewesen, sagt Elmar Waldmann vom städtischen Immobilienmanagement. Am Ende hat er in München welche aufgetrieben.
Waldmanns Behörde hofft, das städtische Parkhaus bis Ende Juni wieder flottzumachen. Zu 70 Prozent etwa soll es dann wieder öffnen. Dann sollen von den mehr als 550 Stellplätzen auf drei Ebenen wieder 370 bis 380 zur Verfügung stehen. Die vom Brand zerstörte Stelle mit den Stützen wird noch von leichten Wänden mit Gipsbetonverkleidung abgesperrt.
Hohe Kosten für Neubau
Auf diese Weise will die Stadt, wie es bei der Ortsbesichtigung heißt, „erst einmal über diesen Sommer kommen“. Wie es dann weitergeht, wird nach den Angaben zurzeit geprüft. Grundsätzlich kommen eine umfassendere Sanierung und ein Neubau infrage. Zu dessen möglichen Kosten hatte sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes unmittelbar nach dem Brand geäußert: Würde das jetzige Parkhaus, Mitte der Achtzigerjahre gebaut, abgerissen und ersetzt, wäre ein zweistelliger Millionenbetrag fällig. Der Stadt zufolge gibt es für den Standort immerhin einen rechtskräftigen Bebauungsplan für ein Parkhaus.
Bisher konnten Autofahrer unentgeltlich parken. Zur teilweisen Wiedereröffnung werden sich an der Ein- und Ausfahrt aber Schranken öffnen und schließen. Als Gründe nennt die Stadt die verringerte Zahl von Stellplätzen – und dass eigentlich nur Gäste des Seedammbads und der gegenüberliegenden Taunus-Therme dort parken sollen. Die Schwimmbadbesucher können das Ticket dann an der Kasse vorzeigen und unentgeltlich ausfahren. Für alle anderen wird die Parkgebühr dagegen „nicht preisgünstig“ sein, wie es heißt. Dafür soll es dank besserer Beleuchtung angenehmer werden, in dem dunklen Gebäude unterwegs zu sein. Bislang war das Parkhaus nicht videoüberwacht. Ob nach dem Brand nun Kameras montiert werden, sei voraussichtlich Sache der städtischen Kur-Gesellschaft als künftiger Betreiberin, heißt es.
Mehmet Devrils Mitarbeiter arbeiten auch mit Sauggeräten und Schaum. Etwa 80 Prozent des Rußes haben sie abgesaugt, den Rest müssen sie mit Chemikalien behandeln. Um den Schaum wegzuspülen, fließen wöchentlich 30.000 Liter Waschwasser durch die Räume. Auch das saugen sie weg, denn in die Kanalisation darf es nicht gelangen.
An der Brandstelle ist der beißende Geruch nicht mehr so stark wie am Tag nach dem Feuer. Am Mittwochnachmittag sollen die letzten drei Autos, die seit dem 23. April wegen der Statik nicht bewegt werden durften, abgeholt werden. Sie stehen auf dem Oberdeck. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt weiterhin gegen den 38 Jahre alten Tatverdächtigen. Der moldauisch-rumänische Mann war eine Woche nach der Tat in einer Wohnungslosenhilfe der Caritas festgenommen worden und in Untersuchungshaft gekommen.
