
Der Vatikan will seinen Strombedarf bald vollständig mit einer eigenen Solaranlage decken. Dazu will der kleinste Staat der Welt auf einem exterritorialen Areal von 420 Hektar Größe westlich von Rom eine Agrovoltaik-Anlage errichten. Ein entsprechender völkerrechtlicher Vertrag mit Italien, der bereits Ende Juli 2025 unterzeichnet worden war, ist nun nach Ratifizierung beider Seiten in Kraft getreten.
Agrovoltaik-Anlagen verbinden die Stromerzeugung durch Photovoltaik mit landwirtschaftlicher Nutzung. Unter den auf Trägern montierten Solarpanelen sollen Gemüse und Getreide angepflanzt werden. Die Agrovoltaik-Anlage in Santa Maria di Galeria außerhalb der Ringautobahn von Rom soll zuvörderst die dort befindlichen Sendeanlagen von Radio Vatikan mit Strom versorgen, darüber hinaus aber auch das gesamte Gebiet der rund 44 Hektar großen Vatikanstadt mit klimafreundlicher Energie beliefern.
Den Umstieg auf Sonnenenergie verfügte noch Papst Franziskus (2013 bis 2025) im Juni 2024 mit seinem Motu-Proprio-Schreiben „Fratello Sole“ (Bruder Sonne). Franziskus hatte schon 2015 in seiner Umweltenzyklika „Laudato si’“ den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien gefordert. Papst Leo XIV. folgt in der Umwelt- und Energiepolitik im Wesentlichen dem Kurs seines Vorgängers weiter. Im vergangenen Juni besuchte Leo das Gelände außerhalb Roms.
Das Areal in Santa Maria di Galeria ist fast zehnmal so groß wie die Vatikanstadt. Es gehört seit 1951 als exterritoriales Gebiet dem Heiligen Stuhl. 1957 wurden dort die Sendemasten und eine Schaltzentrale für Radio Vatikan errichtet. Der Vatikan speist den künftig in Santa Maria di Galeria erzeugten Solarstrom ins italienische Netz ein und bezieht umgekehrt kostenlos Strom aus diesem Netz.
Wenn die Menge des auf vatikanischem Territorium erzeugten Stroms den Eigenbedarf der Vatikanstadt übertrifft, kann der italienische Staat über die überschüssige Energie verfügen. Umgekehrt garantiert das italienische Stromnetz die Versorgung des Vatikans auch nachts und bei Dunkelzeiten.
