Die Palliativmedizinerin Yvonne Petersen ist seit zwei Jahren im Ruhestand. Während des Gesprächs in einem Münchner Café ist die Wärme und die Sympathie für jeden ihrer Patienten zu spüren, an den sie sich erinnert.
DIE ZEIT: Ist Überforderung eines der vorherrschenden Gefühle in Familien, wenn ein Angehöriger stirbt?
Yvonne Petersen: Meiner Erfahrung nach wird die Frage nach dem Sterben heute für die meisten Menschen erst relevant, wenn es so weit ist. Kulturell gab es früher eine gewisse innere Vorbereitung: Vanitas-Symbole, Totenschädel als Zeichen der Vergänglichkeit auf Gemälden etwa. Memento mori –Bedenke, dass du sterben musst –, das konnten die Menschen als Gedanken auf einer spirituellen, höheren Ebene mit sich tragen. Aber eine Garantie, dass es dadurch leichter wird, gab und gibt es nicht. Auch wenn eine Patientenverfügung ein guter Anlass ist, als Familie über das Lebensende ins Gespräch zu kommen: Wenn der Tod tatsächlich naht, beginnt für jede Familie eine bisher ungekannte Herausforderung.
