Pakistan hat nach eigenen Angaben in der Nacht mehrere Luftangriffe auf Afghanistan geflogen. Die zehn angegriffenen Ziele seien zuvor für afghanische Drohnenangriffe auf das Nachbarland genutzt worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar mit. Die pakistanische Luftabwehr hat demnach zuvor aus Afghanistan abgefeuerte Drohnen abgefangen und militante Kämpfer daran gehindert, die Grenze zu überqueren.
Nach Angaben aus Afghanistan gab es keine Todesfälle bei den Angriffen auf Regionen im Südosten des Landes. Der Sprecher der afghanischen Taliban-Regierung, Zabihullah Mudschahid, bestritt Angriffe auf Pakistan. Die widersprüchlichen Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Die mutmaßlichen Angriffe markieren jedoch eine weitere Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern.
Erst am Montag hatten pakistanische Kampfflugzeuge mehrere Ziele im Osten Afghanistans angegriffen, die nach pakistanischer Darstellung als Verstecke extremistischer Gruppen fungierten. Pakistan sprach von 28 getöteten Kämpfern. Nach afghanischen Angaben wurden drei Zivilisten getötet und vier weitere verletzt. Die UN-Mission in Afghanistan bestätigte die zivilen Opfer. Die Regierung in Kabul protestierte gegen die Angriffe.
Grenzen zu Afghanistan geschlossen
In der Woche zuvor war es im pakistanischen Kohat zu einem Terroranschlag mit mindestens 22 Toten gekommen. Das islamistische Milizenbündnis Ittihad-ul-Mudschahedin Pakistan reklamierte die Bluttat für sich. Die Regierung in Islamabad beschuldigt die Taliban in Afghanistan, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Afghanistan bestreitet dies.
Der Konflikt zwischen den Nachbarländern war vor etwa einem Jahr aufgeflammt. Pakistan hat seitdem seine Grenzübergänge zum Nachbarland geschlossen – mit schweren Folgen für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und humanitären Gütern in Afghanistan. Im Februar erklärte Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif einen »offenen Krieg« mit Afghanistan.
