Nach einer Verzögerung soll der Rettungsversuch für den vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwal fortgesetzt werden. Die Arbeiten in der Wismarer Bucht seien am
Freitagabend unterbrochen und sollen am Samstag fortgesetzt
werden, teilte die Sprecherin der privaten Rettungsinitiative, Karin
Walter-Mommert der Nachrichtenagentur AFP mit. »Wir sind einen Tag hinten dran«, sagte der MediaMarkt-Gründer Walter Gunz der Nachrichtenagentur dpa. Zusammen mit Walter-Mommert finanziert er die Aktion.
Die Initiative will das seit 19 Tagen in flachem Wasser liegende Tier mit Luftkissen und Schwimmpontons anheben und bis in die Nordsee oder den Atlantik schleppen. Eigentlich hatte der Abtransport des
Wals am Freitag beginnen sollen. Die Vorbereitungen laufen seit Donnerstag. Die Sprecherin verwies auf Verzögerungen durch zunächst fehlende Genehmigungen.
Der Wal war am Freitag zeitweise sehr aktiv. Die an dem Projekt beteiligte leitende Tierärztin Janine Bahr van Gemmert attestierte ihm »eine reelle Chance«. Die Initiative handle »nach bestem Wissen« für das Tier und wolle kein Leid verlängern, sagte van Gemmert.
Experten sehen kaum Überlebenschancen
Verschiedene Experten hatten indessen von weiteren Rettungsversuchen abgeraten. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde. »Die Chancen, dass er in der Nordsee landet und dort frei schwimmt, sind gering«, sagte ein Sprecher der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Er gehe davon aus, dass der Wal dort ertrinken wird, weil er so geschwächt ist. Greenpeace hatte sich bei vorherigen Rettungsaktionen für den Wal beteiligt, die neue Initiative unterstützt sie nicht.
Die Behörden dulden das Vorhaben. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hatte den Rettungsversuch gebilligt. Die Verantwortung für die neue Aktion liege komplett bei den Initiatoren, betonte er. Zuvor war dem SPD-Politiker zufolge geprüft worden, »ob dem Tier durch die geplanten Maßnahmen unzumutbare zusätzliche Leiden entstehen«. Backhaus sagte vor Ort, die »heiße Phase« der Aktion vor der Insel Poel habe begonnen.
Der Wal irrt seit Anfang März vor der Ostseeküste umher. Er strandete mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt setzte er vor fast drei Wochen bei Poel auf dem Meeresboden auf. Vom Landesumweltministerium hinzugezogene Fachleute gehen davon aus, dass das Tier in einem sehr schlechten Zustand und wohl schwer krank oder sogar sterbend ist. »Mehrfachstrandungen« gelten demnach in Fachkreisen als ein Zeichen dafür, dass ein Wal große Schwierigkeiten hat, sich gut zu orientieren.
