Viele Hundert Leute stehen vor der Hauptbühne beim Frankfurter Osthafen-Festival. Sie warten auf den Rapper Sampagne. Es gibt wohl eine kleine Verspätung – soll bei Rappern schon mal vorkommen. Ein großer Schriftzug auf der Bühne mit seinem Namen verspricht aber, dass es nicht mehr lange dauern wird. Dann kommt Jubel auf, Sampagne betritt in rosafarbenem Outfit die Bühne. Er singt eines seiner bekanntesten Lieder: „Tempo“. Und seine Fans singen mit.
„Komm, wir erhöh’n das Tempo“, heißt es im Refrain des Stücks. Die Zeile gilt aber auch an anderer Stelle beim Osthafen-Festival. Mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde fahren die Boote des Technischen Hilfswerks (THW) Besucher durch das Hafenbecken auf den Main hinaus. Für Studentin Helena Roos und ihre Freunde Daniel Melkoserow und Xinyan Xie ist es an diesem Abend schon die zweite Tour. „Wir wollen unbedingt mit den verschiedenen Booten fahren“, sagt Roos. So was mache man schließlich nicht jeden Tag. Und: „Daniel wollte unbedingt nass werden.“
„Das ist nun mal Ehrenamt“
„Habe ich da nass werden gehört?“, fragt Malte Siepmann mit einem breiten Grinsen. Er steuert das Boot, das er nun beschleunigt. Nach einem kleinen Hüpfer über eine Welle spritzt es von vorn und von den Seiten in das Schnellboot hinein. „Es ist sehr cool, die Leute freuen sich, dass sie das hier erleben können“, sagt Siepmann. Schon früh am Morgen haben sie beim THW in Seligenstadt alles zusammengepackt und sind zum Aufbau nach Frankfurt gefahren. „Das ist nun mal Ehrenamt“, sagt Siepmann.

Livemusik sowie Programm an Land und Wasser zeichnen das Osthafen-Festival aus. Diese Mischung ist der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt (HFM) wichtig, die die Veranstaltung organisiert. Der Frankfurter Osthafen sei einer der zehn größten deutschen Binnenhäfen, aber er habe ein Bekanntheitsproblem, heißt es von der HFM. Das Osthafen-Festival, das nun bereits zum sechsten Mal unter diesem Namen stattfindet, solle das Bewusstsein für den Mainhafen stärken. Deshalb sei das Programm im Hafenbecken auch ein wichtiger Bestandteil: Das Gelände soll auch vom Wasser aus als wichtiger Industriestandort gesehen und erlebt werden.
Mehr als 40 Solokünstler und Bands spielen beim Festival auf vier Bühnen, auf der rund einen Kilometer langen Festmeile haben sich über 130 Schausteller eingefunden. Hinzu kommen viele ehrenamtliche Helfer wie Manuel Siepmann vom THW. Auch viele Mitarbeiter des Hafens ermöglichen durch freiwilliges Engagement das im Zweijahresrhythmus stattfindende Fest erst.

Die Besucher des Fests sollen dabei nicht nur feiern, sondern auch erfahren, wie im Osthafen gearbeitet wird. Bei den Fahrten auf den THW-Schiffen, mit dem großen Feuerwehrboot oder den Hafenbarkassen sehen sie die gestapelten Container und die Berge aus Kies, Sand und anderen Baustoffen. Den Abschluss des Programms auf dem Wasser bildet am Samstagabend eine Schiffsparade. Das Programm an Land, auf den Musikbühnen, geht noch bis tief in die Nacht weiter. Dort treten neben Rapper Sampagne etwa auch Tom Twers und Kamrad auf. Das Osthafen-Festival ist somit beides: ein Tag der offenen Tür und ein Musikfestival.
