
Verwundern dürfte diese Entwicklung jedoch niemanden. Denn lange genug hat sich abgezeichnet, welche Folgen es haben kann, wenn der Staat lange ignoriert, was vor seinen Augen geschieht. Internationale Tätergruppierungen habe sich ausbreiten können, ohne dass ihnen mit staatlicher Repression beizukommen war. Kriminelle Strukturen wurden oft zu spät entdeckt, weil die Möglichkeiten, die den Ermittlungsbehörden selbst bei der Verfolgung schwerer und Organisierter Kriminalität zur Verfügung stehen, noch immer zu starr und eingeschränkt sind. Allein schon die Lokalitäten selbst, an denen die Sprengsätze deponiert werden, zeigen auf, welche Parallelwelt in den vergangenen Jahren entstanden ist.
Die Niederlande galten lange Zeit als mahnendes Beispiel. Dort haben sich vor Jahren schon Strukturen der Organisierten Kriminalität in Form von internationalem Betäubungsmittelhandel etabliert, die von dort aus nach Deutschland hinübergewandert sind. Erst nach Nordrhein-Westfalen, dann weiter nach Hessen. Das Bundesland im Zentrum Deutschlands gilt inzwischen als einer der größten Umschlagplätze für den internationalen Drogenhandel in Europa. Wo sich Strukturen verstetigen, bleiben Konflikte nicht aus.
Die Frage wird sein, wie die Sicherheitsbehörden dieser Entwicklung nun begegnen wollen. Die jüngsten Festnahmen, die es im Zusammenhang mit Sprengsätzen gegeben hat, sind wichtige Erfolge. Nachhaltig sind sie jedoch nicht. Ziel muss es sein, die Strukturen dahinter zu zerschlagen. Und dafür brauchen die Ermittlungsbehörden dringend mehr technische und operative Möglichkeiten, um auszuwerten, wie die Strukturen der Täter funktionieren, wie sie jene anwerben, die sie gegen Bezahlung für die Straftaten beauftragen – und auch, wen ein nächster Anschlag treffen kann.
Die angeworbenen Täter werden, oft aus prekären sozialen Verhältnissen, aus einem schier unerschöpflichen Pool an Personen rekrutiert, die entweder aus dem Ausland oder regional beauftragt werden. Für wenig Geld sind sie bereit, Brandsätze zu legen oder schwerste Körperverletzungen zu begehen. Eine Hemmschwelle gibt es scheinbar nicht mehr. Das Geld ist zu verlockend.
