Offenbach hat einen neuen Bürgermeister und eine neue hauptamtliche Stadträtin: Am Donnerstag haben die Stadtverordneten den bisherigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Bruszynski und Helena Wolf für die SPD in den Magistrat gewählt. Damit hat das neue Bündnis aus SPD und CDU, das die Ampelkoalition der vergangenen Wahlzeit abgelöst hat, seine Personalentscheidungen durchgesetzt. Bei beiden Wahlen stimmten auch sieben Abgeordnete anderer Fraktionen für das neue Personal. Zuvor waren Sabine Groß (Die Grünen) und Paul-Gerhard Weiß (FDP) mit den Stimmen der Koalition abberufen worden.
Schon vor vier Wochen war das Verfahren mit der ersten der erforderlichen zwei Abwahlen der beiden in die Wege geleitet worden. Eigentlich beträgt die Amtszeit der hauptamtlichen Stadträte sechs Jahre, zu einer Abwahl ist in dieser Zeit eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung nötig. In Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern greift aber eine andere Regel: Dort genügt in den ersten sechs Monaten nach der Kommunalwahl eine einfache Mehrheit, um die Amtsinhaber abzuberufen.

Während sich in anderen Großstädten in der Region die Verhandlungen über Bündnisse in den Parlamenten in die Länge ziehen, hatten sich SPD und CDU in Offenbach zügig nach der Kommunalwahl auf eine Koalition geeinigt. Die SPD hatte gegen den Trend deutliche Gewinne erzielt und erreichte 35 Prozent, die CDU legte im März leicht auf 18,7 Prozent zu. Damit stellen die beiden Parteien 38 von 71 Stadtverordneten.
In den Verhandlungen über das Personaltableau billigte die SPD der CDU den Posten des Bürgermeisters und Stellvertreters des direkt gewählten Oberbürgermeisters Felix Schwenke (SPD) zu. Durch den Wechsel von einer Dreier- zu einer Zweierkoalition ist ein weiterer Stadtratsposten verfügbar geworden. Daher entsenden die Sozialdemokraten nun mit Helena Wolf eine weitere Stadträtin in den hauptamtlichen Magistrat, zu dem noch Kämmerer Martin Wilhelm von der SPD gehört.

Sabine Groß habe bis zum letzten Tag hochprofessionell für die Stadt gearbeitet, sagte Schwenke bei ihrer Verabschiedung. Sie selbst zog ein kurzes Resümee ihrer Arbeit. So seien trotz schwieriger Rahmenbedingungen Bildung und Betreuung ausgebaut worden, in ihrer Amtszeit sei die Zahl der Betreuungsplätze um 1000 gewachsen. Als weitere Schwerpunkte nannte die 53 Jahre alte Juristin, die zuvor als Referatsleiterin im hessischen Wirtschaftsministerium gearbeitet hatte, die Anstrengungen zur Klimaanpassung und Impulse zur Mobilität in der Stadt.
Mit dem 67 Jahre alten Weiß verlässt der dienstälteste Stadtrat den hauptamtlichen Magistrat, in den er 2006 erstmals gewählt worden war. Als großen Verdienst seiner Amtszeit nannte Schwenke die Wende in der Sanierung der Offenbacher Schulen. Weiß erinnerte an die Entwicklungen der Stadt, die er vom Niedergang in den Achtzigerjahren bis zur Trendwende im letzten Jahrzehnt erst als Stadtverordneter und dann als Stadtrat miterlebt habe. Mittlerweile liege Offenbach in Rankings zur Dynamik auf Spitzenplätzen entsprechender Vergleiche von Kommunen in Deutschland.
