
Die Bernd-Reisig-Stiftung ruft neue Projekte für Obdachlose und Hilfsbedürftige ins Leben. Das hat der Gründer und ehemalige FSV-Fußballfunktionär Bernd Reisig auf dem Sommerfest der Stiftung verkündet. „Bisher hatten wir schon rund 25 Veranstaltungen im Jahr, jetzt planen wir 40“, sagte der Dreiundsechzigjährige am Mittwochabend.
Mehr solcher Vorhaben bedeuten laut Reisig aber auch einen höheren finanziellen Aufwand. Zudem würden die schon etablierten Projekte zusätzliche Ausgaben verursachen. Vor allem die gestiegenen Lebensmittelpreise treiben die Kosten seinen Worten zufolge in die Höhe. Reisig nennt das Weihnachtsessen für Obdachlose als Beispiel: „Die Gänsepreise sind von 2024 auf 2025 um 100 Prozent gestiegen.“ Die Stiftung habe schon im vergangenen Jahr überlegen müssen, ob sie sich noch ein Weihnachtsessen mit Gänsen leisten könne.
Die Lebensmittelpreise sind es, die auch Omid Nouripour (Die Grünen), der auch im Kuratorium der Stiftung sitzt, Sorge bereiten. Mit Blick auf den ungewöhnlich trockenen Sommer gehe er davon aus, dass die Lebensmittelpreise weiter steigen werden. „Das ist schlimm für alle. Aber am härtesten trifft es die, die keine Wohnung haben und jeden Tag schauen müssen, wie sie Essen bekommen“, sagt der Vizepräsident des Bundestages.
Geplanter Foodtruck sorgt für Diskussionen
Eines der neuen Projekte, das Reisig vorstellt, ist ein Kinoabend. Die Stiftung möchte Obdachlose einladen. „Das eine ist der Hunger. Das andere das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören“, beschreibt er die Situation von Obdachlosen. Bei einem anderen Projekt stehe zwar die Idee, die Umsetzung gestalte sich allerdings als kompliziert. Denn Stiftung und Stadt konnten sich bisher nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Reisig wolle einen Foodtruck etablieren. Wer sich dort beispielsweise einen Kaffee bestelle, zahle gleichzeitig einen zweiten Kaffee mit, der später ebenfalls am Foodtruck an einen Obdachlosen ausgegeben werden könne, erklärt er das Prinzip. Bisher habe die Stadt das Vorhaben aber nicht genehmigt, wie Reisig sagt. Es gebe „viele Bedenkenträger“ im Magistrat, die das Projekt verhinderten.
Seiner Ansicht nach leiste die Stadt insgesamt zu wenig, um Armut und Obdachlosigkeit zu bekämpfen: „Armut wird zu viel verwaltet statt bekämpft.“ Es müsse darum gehen, Obdachlose aus dem Teufelskreis von Wohnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit und Drogenabhängigkeit zu holen. „Wir versuchen, die prekäre Situation so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber wir fragen zu wenig danach, wie wir sie beenden können.“
Eine Vision, wie das gelingen könnte, hat Reisig auch schon. Ihm schwebt ein „Housing First“-Projekt vor. Dabei bekämen Obdachlose mietfrei eine Wohnung gestellt. „Die Wohnung ist die Basis für ein neues Leben“, ist Reisig überzeugt. Auf dieser Grundlage sollen Sozialarbeiter an den weiteren Problemen der Menschen arbeiten. Dabei seien strenge Regeln unerlässlich, sagt Reisig, dessen Engagement laut eigener Aussage auch durch die eigene Familiengeschichte zu erklären ist. Sein Bruder sei drogenabhängig gewesen. Ein Richter habe ihn vor die Wahl gestellt: „Therapie oder Gefängnis?“ Sein Bruder habe die Therapie gewählt und sei nur so von den Drogen losgekommen.
