
Gut, dass es jetzt eine Perspektive für den Abbau des Zeltlagers in der Frankfurter Innenstadt gibt. Die Stadt will die in der Bockenheimer Anlage untergebrachten obdachlosen Menschen von August an schrittweise auf bis zu vier feste Einrichtungen verteilen. Das ist eine positive Nachricht – für die Wohnsitzlosen ebenso wie für die historische Grünanlage.
Denn die Unterbringung dort konnte keine Dauerlösung sein. Ein umzäuntes, rund 800 Quadratmeter großes Areal mit fünf Großzelten, Feldbetten und mobilen Toiletten mag in einer akuten Notlage Schutz bieten. Es ersetzt aber keine feste Unterkunft. Selbst im Sommer wird deutlich, wie unzureichend ein solches Provisorium ist: Die Zelte bieten weder ein kühles Umfeld noch eine angemessene Infrastruktur. Und eine Grünanlage, die der Erholung, der Artenvielfalt und dem Stadtklima dient, ist nicht für ein dauerhaftes Notquartier geschaffen.
Das Frankfurter Sozialdezernat hat Ende Juni, nach der überraschend notwendig gewordenen Räumung der Obdachlosenunterkunft in der B-Ebene des U-Bahnhofs Eschenheimer Tor, schnell gehandelt. Innerhalb weniger Stunden wurde ein Provisorium geschaffen, damit rund 100 Menschen nicht ohne Schutz auf der Straße standen. Ebenso wichtig ist nun, dass aus der so entstandenen Notlösung keine Dauerlösung wird.
Allerdings bleibt abzuwarten, wie die avisierten, aber noch nicht genannten festen Unterkünfte angenommen werden. Rund 600 Notschlafplätze gibt es in Frankfurt bereits, sie sind in der Regel belegt. Die etwa 100 Menschen aus der B-Ebene konnten nicht einfach auf die bestehenden Angebote verteilt werden. Manche Einrichtungen haben Zugangsbeschränkungen, andere sind nur für bestimmte Gruppen vorgesehen. Eine feste Unterkunft muss deshalb nicht nur vorhanden, sondern auch so gestaltet sein, dass die Betroffenen sie tatsächlich akzeptieren.
Bei aller Anerkennung für die schnelle Reaktion stellt sich dennoch eine unbequeme Frage: Warum nicht früher so entschlossen? Die Unterkunft im U-Bahnhof Eschenheimer Tor war ursprünglich als winterliches Provisorium eingerichtet worden, wurde dann aber jahrelang geduldet und zum Ganzjahresbetrieb. Zeitweise schliefen dort bis zu 200 Menschen. Erst ein Brandschutzgutachten und die Kündigung durch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) brachten Bewegung in eine Situation, die im Grunde längst nicht mehr vertretbar war.
Die VGF hat die Stadt zum Handeln gezwungen. Bleibt zu hoffen, dass Frankfurt diesen Impuls nutzt und für die Menschen ohne festen Wohnsitz künftig früher verlässliche Lösungen schafft – bevor aus einem Provisorium ein unhaltbarer Dauerzustand wird.
