
Die „Freien Sachsen“ werden vom Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft und vertreten antidemokratische und volksverhetzende Inhalte. Sie sind eine Kleinpartei mit 1200 Mitgliedern, die unter anderem den „Säxit“ fordern, den Austritt Sachsens aus der Bundesrepublik. Sie sehen sich als Sammlungsbecken von Neonazis, „Querdenkern“ und ehemaligen NPD-Kadern. Bei der Kommunalwahl 2024 zogen die „Freien Sachsen“ in alle Kreisräte und die Räte der drei kreisfreien Städte in Sachsen ein und erzielten 2,7 Prozent; bei der Landtagswahl im selben Jahr erreichten sie 2,2 Prozent.
Hartung gehört zu den Gründungsmitgliedern der 2021 gegründeten Partei und ist ihr Vizechef. Der sächsische Verfassungsschutz zitiert ihn in einem Bericht mit den Worten: „Mit jedem Tag mehr in diesem Regenbogen-Irrenhaus werde ich größerer Anhänger des ,Säxitsʻ.“ Hartung trat 2005 in die NPD ein und ist Mitglied der Nachfolgepartei „Die Heimat“, die hohe personelle und organisatorische Schnittmengen mit den „Freien Sachsen“ aufweist. Der IT-Unternehmer ist seit vielen Jahren Kreisrat im Erzgebirgskreis.
Im zweiten Wahlgang reicht eine einfache Mehrheit
Hinter Hartung lagen bei der Wahl am Sonntag der CDU-Bewerber Marcus Hoffmann, der 23,6 Prozent der Stimmen holte, und der Kandidat der Freien Wähler, Danny Weber, für den 22,5 Prozent votierten. Der Kandidat der AfD, Lars Bochmann, erhielt 18,5 Prozent der Stimmen.
Da keiner der Bewerber die absolute Mehrheit gewann, fällt die Entscheidung in der zweiten Runde am 7. Juni. Im zweiten Wahlgang reicht eine einfache Mehrheit. Nach der sächsischen Kommunalwahlordnung können dann alle Bewerber wieder antreten. Um einen Sieg von Hartung zu verhindern, müssten sich CDU und Freie Wähler auf einen Kandidaten einigen.
Viele Mitbewerber und Bürger zeigten sich fassungslos über den Ausgang der Wahl in der 19.000-Einwohner-Stadt, wie die „Freie Presse“ berichtet. Der bisherige Amtsinhaber Heinrich Kohl von der CDU, der die letzte OB-Wahl mit 42 Prozent im zweiten Wahlgang gewonnen hatte, durfte nicht mehr antreten, da er mit 69 Jahren die Altersgrenze überschritten hatte, die in der sächsischen Gemeindeordnung gilt.
Görlitzer Oberbürgermeister erreicht 49,1 Prozent
Bei der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz verpasste Amtsinhaber Octavian Ursu (CDU) nur knapp eine absolute Mehrheit. Für ihn stimmten 49,1 Prozent der Wahlberechtigten. Auf Platz zwei folgte der AfD-Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel, der auf 44,3 Prozent der Stimmen kam. Eine Kandidatin der Linken und ein parteiloser Bewerber erreichten jeweils nur gut drei Prozent. Am 31. Mai folgt der zweite Wahlgang. Ursu war von der CDU, den Grünen sowie den Wählervereinigungen „Bürger für Görlitz“ und „Motor“ unterstützt worden, auch die SPD sprach sich für seine Wahl aus.
In drei weiteren sächsischen Städten siegten die bisherigen Amtsinhaber im ersten Wahlgang: In Dippoldiswalde gewann Oberbürgermeisterin Kerstin Körner die Wahl mit mehr als 77 Prozent, die CDU-Politikerin war diesmal als unabhängige Kandidatin angetreten. Auch in Döbeln siegte Sven Liebhauser (CDU) im ersten Wahlgang mit gut 56 Prozent. In Werdau kam Sören Kristensen (Unabhängige Liste) auf fast 72 Prozent.
