
Zu dem Konsortium gehören Goldman Sachs, Blackrock, Apollo, Blackstone, Brookfield und KKR. Mit ihnen will Nvidia nach eigener Aussage „unabhängige Finanzierungsplattformen für Computerkapazitäten“ etablieren. Die Partner sollen „Kapitalpools“ schaffen, die Nvidia-Kunden „zu attraktiven Konditionen“ zur Verfügung gestellt werden sollen.
KI-Chips sind ein wesentliches Element in der KI-Infrastruktur, auf sie entfällt ein großer Teil der Investitionen in Rechenzentren. Nvidia ist der dominierende Anbieter solcher Chips. Das nun geschlossene Bündnis soll nach Angaben in der Mitteilung Nvidia-Kunden Zugang zu „knappen Computerkapazitäten“ erleichtern. Vielen Unternehmen falle es bislang schwer, sich die finanziellen Mittel zu beschaffen, um ihre KI-Infrastruktur schnell ausbauen zu können.
„Der Anfang eines offenen Kapitalmarktes für KI-Infrastruktur“
Daneben wird die Partnerschaft aber auch als Weg beschrieben, um aus KI-Infrastruktur eine eigene Anlageklasse zu machen. Nvidia-Produkte werden als „Vermögenswert, in den man investieren kann“, beschrieben. Jensen Huang, der Vorstandsvorsitzende von Nvidia, sagte in einem Eintrag auf der Plattform X: „Dies ist der Anfang eines offenen Kapitalmarktes für KI-Infrastruktur.“
Wie genau die Finanzprodukte aussehen sollen, ließen die Partner offen. Zunächst handelt es sich nur um Absichtserklärungen. Es gab auch keine Angaben dazu, in welchem Zeitraum das Geld eingesammelt werden soll. Aber die beteiligten Unternehmen versuchten, mit Blick auf die Chancen von KI Optimismus zu verbreiten. David Solomon, der Vorstandschef von Goldman Sachs, sagte, die Welt befinde sich inmitten eines „historischen KI-Investitionszyklus“. Huang sprach von einem „sich selbst verstärkenden positiven Kreislauf der industriellen KI-Revolution“.
Die Rendite auf die Investitionen werde durch die Nützlichkeit von KI-Technologien gewährleistet, etwa für die Softwareentwicklung, die Forschung nach neuen Medikamenten oder das Design neuer Produkte. Im Rahmen der jetzt geschlossenen Allianz will Nvidia nach eigenen Angaben für einzelne Investitionsprojekte Garantien für bis zu 25 Prozent abgeben. Die Rolle des Unternehmens bestehe darin, den Zugang zu einer großen Kapitalmenge zu erleichtern, andererseits aber auch das eigene Risiko in Grenzen zu halten.
Huang: „Die Nachfrage ist real“
Das Bündnis unterstreicht, dass die Technologiebranche nach immer neuen Wegen sucht, den teuren Ausbau der KI-Infrastruktur zu finanzieren. Vor wenigen Monaten hatte schon der Chipkonzern Broadcom eine Partnerschaft mit Finanzdienstleistern angekündigt, das der jetzt von der Nvidia geschlossenen Vereinbarung ähnelt. Nach einem Bericht der Zeitung „Wall Street Journal“ führt Nvidia auch Gespräche mit dem KI-Spezialisten Open AI über eine finanzielle Garantie von 250 Milliarden Dollar für ein großes Rechenzentrumsprojekt im US-Bundesstaat Ohio. Das Unternehmen hat sich an Open AI und seinem Wettbewerber Anthropic beteiligt. Der Internetkonzern Meta hat für zwei geplante Rechenzentren Gemeinschaftsunternehmen mit Finanzdienstleistern gegründet, an denen er selbst nur einen Minderheitsanteil hält.
Viele der Allianzen und Vereinbarungen rund um KI sorgen in der Branche für einigen Argwohn. Kritiker argumentieren, dass damit die Nachfrage nach KI-Chips künstlich in die Höhe getrieben werden könne. Nvidia-Chef Huang weist das zurück. „Die Nachfrage ist real“, schrieb er jetzt. Sie komme von KI-Spezialisten und auch von anderen Unternehmen. Er wiederholte frühere Äußerungen, wonach zusätzliche Rechenkapazitäten sich direkt in Umsätze übersetzen ließen.
In der Technologiebranche sind in jüngster Zeit verstärkt Sorgen zu hören, inwiefern die gewaltigen Investitionen in KI-Infrastruktur sich auch auszahlen. Als führender Anbieter von KI-Chips profitiert Nvidia von diesen Investitionen wie kein anderes Unternehmen. Einige von Nvidias Kunden wie Alphabet, Amazon und Meta haben angekündigt, ihre Investitionen in diesem Jahr drastisch zu erhöhen. Alphabet zum Beispiel plant mit 195 Milliarden bis 205 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr waren es noch 91 Milliarden Dollar. Amazon will 220 Milliarden Dollar investieren. Sogenannte Hyperscaler wie Alphabet und Amazon stehen für rund die Hälfte von Nvidias Umsatz in der Sparte, zu der KI-Chips gehören.
Eine Abschwächung des Investitionstempos ist bislang nicht zu erkennen. Nvidia hat im jüngsten Geschäftsquartal das Umsatzwachstum weiter beschleunigt. Der Umsatz stieg um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden Dollar, der Nettogewinn verdreifachte sich auf 58,3 Milliarden Dollar. Huang nannte die Nachfrage nach Nvidias Produkten bei der Vorlage der Ergebnisse „parabolisch“. Für das laufende Quartal prognostiziert das Unternehmen ein Umsatzplus von 95 Prozent. Die Zahlen sollen am 26. August veröffentlicht werden. Nvidia hat in Aussicht gestellt, mit seinen jüngsten Chipgenerationen Blackwell und Vera Rubin zwischen 2025 und 2027 insgesamt eine Billion Dollar Umsatz zu erzielen.
Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 5,3 Billionen Dollar ist Nvidia das wertvollste Unternehmen auf der Welt. Seit Jahresanfang ist der Aktienkurs um knapp 17 Prozent gestiegen. Nach Bekanntwerden der Allianz mit Wall-Street-Häusern verlor die Aktie jetzt aber leicht an Wert.
