
Was Meta recht ist, ist Apple billig. Gerätevernarrten Beobachtern ist gerade aufgefallen, dass die Kamerafunktion, mit welcher der neue Airpod – also der Knopf-im-Ohr-Kopfhörer von Apple (in der Großversion auch über dem Ohr) – ausgestattet sein soll, offenbar „marktreif“ ist. Das jedenfalls lässt ein geleaktes Video des Unternehmens vermuten, das einen entsprechenden Kamerakopfhörer, über den seit einiger Zeit schon gemunkelt wurde, im Einsatz zeigt.
Anders als die „Smart Glasses“, die Spannerbrille von Meta, gegen deren Hersteller und Vertreiber die Organisation Hate Aid Strafanzeige gestellt hat, soll Apples Ohrkamera nicht in erster Linie zum Filmen und Fotografieren dienen, sondern als optisches Sensorium für Apples sprachgesteuerten virtuellen Assistenten Siri. Was man vor der Nase hat und benennt, soll Siri abspeichern (etwa: Das ist ein Buch!). Was man – noch – nicht kennt, soll einem Siri vorstellen (etwa: Das ist der Kölner Dom) und dazu Fragen beantworten (Ist das giftig, oder kann ich das essen? Ist das Kunst, oder kann das weg? Ist das Bielefeld, oder gibt es die Stadt gar nicht? Ist das mein Bruder, wie heißt der noch mal?).
Angezeigt werden soll die Rundumaufnahme mit Ton und Bild angeblich, wie bei den „Smart Glasses“, durch ein kleines Signal (von dem wir wetten, dass es wie bei der Meta-Brille kaum zu erkennen sein wird). Da die Bundesnetzagentur, wie die Behörde auf unsere Anfrage hin kürzlich sagte, keinen Anlass sieht, gegen die filmenden „Smart Glasses“ einzuschreiten, wird sie das im Falle der sehenden Ohrwürmer von Apple sicherlich auch nicht tun. Unbeobachtet und nicht datenverarbeitet oder im Netz ausgestellt zu sein, zumal im öffentlichen Raum, wird auf diese Weise nicht mehr die Regel, sondern der Ausnahmezustand. Wer auf Privatsphäre Wert legt, muss sich künftig vor Brillen- und Kopfhörerträgern hüten.
