Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) hat von der Bundesregierung schnellere Maßnahmen gegen die Folgen von Niedrigwasser gefordert. Binnenschiffe könnten nicht einfach durch andere Verkehrsträger ersetzt werden, sagte BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen der Rheinischen Post. »Weder die Bahn, noch Lkw-Speditionsunternehmen können ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen, um die Güter von den Schiffen ohne Einschränkungen transportieren zu können.«
Der Verband schlägt einen Dreipunkteplan vor. Erstens müsse die Förderung für niedrigwasseroptimierte Schiffe über das Jahresende hinaus fortgesetzt werden. Zweitens müsse der Ausbau der Fahrrinnen an Mittel- und Niederrhein beschleunigt werden, da das bisherige Zieldatum 2033 zu spät sei. Dies würde 20 Zentimeter mehr Abladetiefe bringen. Drittens sollten die Behörden schnell Möglichkeiten finden, das Wasser im Rhein stärker zu stauen. Zurzeit rausche das Wasser ab der Schleuse Iffezheim ungebremst in Richtung Niederlande.
Schwanen betonte, dies sei eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit. »Massenhaftes Fischsterben, vertrocknete Auen, hohe Wassertemperaturen und zu wenig Sauerstoff bringen den Rhein als Habitat an seine Grenzen«, sagte er. »Das geht uns alle an.«
Historische Tiefstände am Rhein
Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Die niedrigen Pegelstände stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können.
Das Schifffahrtsunternehmen HGK Shipping, das nach eigenen Angaben zu den führenden Binnenschifffahrtsunternehmen in Europa zählt, forderte mehr Unterstützung durch die Bundesregierung bei der niedrigwassergerechten Umrüstung von Schiffen. »Wir brauchen von der Bundesregierung einen verlässlichen Investitionsrahmen bis 2035, der privates Kapital mobilisiert und Unternehmen Planungssicherheit für Neubauten gibt«, sagte Geschäftsführer Steffen Bauer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Rumänien fährt Atomkraftwerk herunter
Zielgröße sollte demnach der Bau von 1.000 modernen Güterbinnenschiffen in Europa sein. »Die Bundesregierung sollte dabei eine führende Rolle übernehmen und mit einem langfristig verlässlichen Förderrahmen private Investitionen in die Flottenerneuerung auslösen«, sagte Bauer. Der dringende Bedarf zeige sich derzeit unter anderem am Mittelrhein: Am Pegel Kaub wurden demnach am Dienstag nur noch 16 Zentimeter gemessen. »Die Prognosen weisen auf eine weitere Verschärfung der Situation und einstellige Pegel hin«, sagte Bauer. Niedrigwasseroptimierte Schiffe könnten da den entscheidenden Unterschied machen.
Das Niedrigwasser trifft auch Europas Energieversorgung. Wegen des historischen Pegeltiefstands der Donau soll das einzige Atomkraftwerk Rumäniens ab Donnerstag vollständig heruntergefahren werden. Reaktor 2 des Kraftwerks Cernavoda werde »im Hinblick auf die aktuellen hydrologischen Bedingungen kontrolliert heruntergefahren«, teilte das Energieministerium mit. Ende Juli war bereits einer der beiden Reaktoren heruntergefahren worden. Das Atomkraftwerk benötigt das Wasser der Donau zum Kühlen.
