
Was lesen Sie?
Palina Rojinski: Kommentare auf Social Media (lacht) – nein, eigentlich kaum. Ich lese tatsächlich viele Drehbücher. Das ist aber ein anderes Lesen, die liest man immer schnell in so einer speziellen Drehbuchstimme, um zu kapieren, in welche Richtung es geht. Nur wenn ich sie in dieser bestimmten Drehbuchstimme lese, merke ich: Okay, ist es was oder nicht? Und dann gehe ich erst rein, und die richtige Stimme, das richtige Lesen fängt an. Ich lese gerade auch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Ich finde, dass Joachim Meyerhoff seine Großeltern wunderschön porträtiert hat, seine innere Welt mit allen Traumata und Schwierigkeiten und auch den leichten Momenten … Das ist einfach ein wahnsinnig tolles Verhältnis. Und diese Beobachtungen – ich liebe es, wenn man ganz kleine, feine Beobachtungen macht, und er hat es wirklich sehr schön geschafft, das auszudrücken. Auch den Film fand ich sehr, sehr gut – sehr sehenswert. Und ich will jetzt bald unbedingt „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow lesen.
Riccardo Simonetti: Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen krass an, aber ich lese gerade gefühlt zum zehnten Mal mein eigenes Manuskript, weil im Herbst mein neues Buch rauskommt, das heißt: „Wann ist ein Mann ein Mann“. Ich habe mir das Manuskript die letzten Tage so oft laut vorgelesen – seit Wochen lese ich nur das, weil ich eben noch daran arbeite und nicht dazu komme, etwas anderes zu lesen. Ein Buch zu schreiben, ist enorm viel Arbeit.
Welches Buch haben Sie im Bücherschrank, das Sie garantiert nie lesen werden?
Riccardo Simonetti: Ich habe so viele Fotobücher zuhause, die kann man ja in dem Sinne nicht lesen, weil nur Bilder drin sind – die gucke ich mir aber gern an. Und tatsächlich habe ich so zwei, drei Bücher, zum Beispiel das von Pamela Anderson, das von Britney Spears, das neue von Lisa Rinna – die habe ich alle zuhause, aber nie gelesen, weil ich immer das Hörbuch gehört habe. Ich wollte sie aber trotzdem haptisch im Schrank stehen haben – obwohl man es ja auch einfach nur in seiner digitalen Mediathek haben könnte. Aber ich finde es schön, wenn man das trotzdem, wie so ein Souvenir, in seinem Schrank hat.
Palina Rojinski: Was ich, glaube ich, niemals lesen würde, sind die ganzen Krimis oder irgendwelche Mordgeschichten oder True Crime-Storys, das ist alles nicht meins. Die habe ich bestimmt mal geschenkt bekommen – eins war mal in einer Goodie-Bag drin und der Autor stand daneben, das war dann unangenehm, das nicht mitzunehmen. Da habe ich gedacht, lass einfach mal Fünfe grade sein (lacht). Das ist nicht mein Genre. Obwohl ich als Kind immer „Medical Detectives“ geguckt habe, um sicher durch die Straßen nachhause zu kommen, weil ich so jedes verdächtige Hindernis sofort identifizieren konnte. Die habe ich also auch irgendwie nur für meine eigene Sicherheit geschaut …
Welche ist Ihre Lieblingsbuchhandlung?
Palina Rojinski: Bücherbogen am Savignyplatz in Berlin. Die finde ich super schön, weil sie sehr besondere Bücher haben und man sich da stundenlang aufhalten kann, da herrscht einfach so ein bestimmtes Flair. Und ich würde mir total gerne mal die Bibliothek und Buchhandlung von Karl Lagerfeld in Paris anschauen.
Riccardo Simonetti: Es gibt zwei Buchhandlungen in Berlin, die auf queere Bücher spezialisiert sind, einmal der Buchladen Eisenherz in Schöneberg und der Keller Kreuzberg. Das ist so ein gemischter Store, die haben aber auch viele Bücher. Immer, wenn ich ein Geschenk brauche, fahre ich in eine dieser beiden Buchhandlungen und werde fündig – vor allem bei Keller Kreuzberg habe ich gefühlt jedes Buch schonmal gekauft oder verschenkt. Ich unterstütze eben auch gern queer-geführte Unternehmen – Palina habe ich von dort auch schon mal ein Buch geschenkt!
Die Moderatorin und Schauspielerin Palina Rojinski wurde durch ihre Zusammenarbeit mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bekannt und interviewte prominente Gäste in ihrem Podcast „Podkinski“. Riccardo Simonetti ist als Moderator in verschiedenen Fernsehformaten präsent. Ihr gemeinsamer Podcast „Saus und Applaus“ startet am 17. Juli.
In der Sonntagszeitung vom 17. Juli finden sich zusätzlich die Antworten von Palina Rojinski & Riccardo Simonetti auf die Fragen: Was sehen Sie? Was hören Sie? Und: Wann haben Sie zuletzt Ihre Meinung geändert.
