
Es war der erste öffentliche Auftritt für den kommenden Apple-Chef: John Ternus, der vom 1. September an Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Elektronikkonzerns sein soll, meldete sich am Donnerstag bei der Vorlage von Geschäftsergebnissen kurz zu Wort. Einblicke, welche Strategie Apple unter ihm verfolgen könnte, gab er allerdings nicht. Er beschränkte sich im Wesentlichen darauf, Zuversicht zu verbreiten: „Ich könnte nicht optimistischer sein, was vor uns liegt.“ Mit Blick auf künftige Produkte sagte er, er wolle zwar noch keine Details verraten, aber dies sei „die aufregendste Zeit“ in seiner seit 25 Jahren währenden Karriere bei Apple.
Der scheidende Vorstandschef Tim Cook überschüttete seinen Nachfolger mit Vorschusslorbeeren: „John ist ein brillanter Ingenieur, ein tiefgründiger Denker, eine Person mit bemerkenswertem Charakter und eine geborene Führungskraft.“ Es gebe „niemanden auf diesem Planeten“, dem er mehr zutrauen würde, Apple in die Zukunft zu führen. Der gegenwärtige Moment sei der richtige für einen Führungswechsel, weil Apple finanziell gut dastehe, „unglaubliche“ Produkte in der Entwicklung habe und der „richtige“ Nachfolger bereit stehe. Umgekehrt zollte Ternus auch Cook Lob und nannte ihn „einen der großartigsten Wirtschaftslenker aller Zeiten“.
Apple hat den Führungswechsel in der vergangenen Woche angekündigt. Cook, der im November 65 Jahre alt geworden ist, steht seit 2011 an der Unternehmensspitze. Der 50 Jahre alte Ternus ist bisher als Senior Vice President für Hardwareentwicklung und damit alle elektronischen Geräte verantwortlich. Er ist seit 2001 bei Apple.
Cook verspricht Unterstützung
Cook soll dem Unternehmen als Vorsitzender des Verwaltungsrats verbunden bleiben. In dieser Funktion soll er unter anderem für die Arbeit mit Politikern und Regulierern verantwortlich sein. Damit bleibt er wohl auch ein Ansprechpartner für den US-Präsidenten Donald Trump, zu dem er eine freundliche Beziehung kultiviert hat. Cook sagte jetzt, er wolle Ternus unterstützen, „wo immer er es braucht und wo immer ich kann“.
Mit seinen Geschäftszahlen hat Apple die Erwartungen übertroffen. Die Umsätze mit dem iPhone, dem mit Abstand wichtigsten Produkt des Unternehmens, wuchsen allerdings etwas weniger stark als von Analysten erhofft. Der Aktienkurs von Apple notierte im nachbörslichen Handel 4 Prozent im Plus.
Insgesamt steigerte Apple seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal um 17 Prozent auf 111,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 109,7 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn erhöhte sich um 19 Prozent auf 29,6 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 2,01 Dollar war um sechs Cent besser als erwartet.
Wachstum in allen Sparten
Der Umsatz mit dem iPhone stieg um 22 Prozent auf 57,0 Milliarden Dollar. Das lag zwar leicht unter den Erwartungen, allerdings hat sich das Geschäft nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase wieder erheblich belebt. Dies ist einer starken Nachfrage nach der jüngsten Modellgeneration iPhone 17 zu verdanken.
Im Dienstleistungsgeschäft, der zweitgrößten Sparte des Konzerns, stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 31,0 Milliarden Dollar. Dazu gehören Plattformen wie Apple TV und Apple Pay sowie der App Store. Wachstum gab es auch in allen anderen Sparten, also zum Beispiel den Geschäften mit iPads und Macintosh-Computern.
Auch mit Blick auf das kommende Quartal zeigte sich Apple optimistisch. Finanzvorstand Kevan Parekh sagte ein Umsatzwachstum von 14 bis 17 Prozent voraus.
Der Führungswechsel Anfang September dürfte kurz vor der womöglich wichtigsten Produktvorstellung des Jahres für Apple stattfinden. Um diese Zeit herum enthüllt das Unternehmen üblicherweise die neuen iPhone-Generationen. In diesem Jahr wird erwartet, dass Apple ein faltbares iPhone auf den Markt bringt.
Apple kämpft auf der Produktseite indessen mit einigen Herausforderungen. Das Unternehmen macht zum Beispiel mit seinen Initiativen rund um Künstliche Intelligenz nicht so schnell Fortschritte wie erhofft. Eine schon 2024 angekündigte neue KI-Variante des Assistenzprogramms Siri soll erst in diesem Jahr herauskommen. Vor wenigen Monaten hat Apple eine KI-Allianz mit Google geschlossen, um sich auf diesem Gebiet zu verstärken.
