
Donald Trump war dieses Mal voll des Lobes für den Secret Service. Als der amerikanische Präsident am Samstagabend nach den Schüssen beim Pressedinner der „White House Correspondents’ Association“ ins Weiße Haus zurückgekehrt war, stellte er sich den Fragen der Journalisten. Der Personenschutz habe viel besser agiert als in Butler, sagte Trump.
Auch der amtierende Justizminister Todd Blanche sprach von einem „großen Erfolg“ der Sicherheitskräfte. Zwar habe der Schütze, der zwei Schusswaffen und Messer bei sich getragen habe, einen Beamten verletzen können, doch habe er sich dem eigentlichen Sicherheitsbereich – dem Ballsaal – nicht nähern können. Der Sicherheitscheckpoint, den der Täter durchbrach, befand sich eine Etage über dem Ballsaal.
Dass Trump sogleich von Butler sprach, konnte nicht überraschen. Damals ging die Sache nicht so glimpflich aus. Butler ist jener Ort in Pennsylvania, an dem im Sommer 2024 ein Schütze auf Trump geschossen und den seinerzeitigen republikanischen Kandidaten am Ohr verletzt hatte. Damals hatte es in der Tat ein eklatantes Sicherheitsproblem gegeben, da der Secret Service ein Dach außerhalb des Kundgebungsgeländes nicht auf dem Radar hatte, von dem aus der Schütze seine Kugeln abfeuern konnte. Dieses Mal konnte der Personenschutz den mutmaßlichen Täter Cole Tomas A. stellen – Sekunden, nachdem er an der Sicherheitsschleuse vorbeigerannt war.
Dennoch stellt sich die Frage: Wie kann eine schwer bewaffnete Person an einen Veranstaltungsort gelangen, an dem sich der amerikanische Präsident und ein Großteil seiner Regierung befinden?
Hohe Polizeipräsenz rund um das Hotel
Die Antwort ist einigermaßen banal. Das festliche Dinner findet auf Einladung der Pressevertreter statt – traditionell im Ballsaal des Hilton-Hotels in der Washingtoner Innenstadt. Der Präsident und Secret Service können sich den Veranstaltungsort nicht aussuchen. Der Personenschutz ist nur für die Sicherung des Gebäudes und Geländes zuständig. Den ganzen Tag über war in der Stadt deutlich mehr Polizei unterwegs als üblich. Das Hotel ist etwa zweieinhalb Kilometer entfernt vom Weißen Haus, im Stadtteil Adams Morgan. Es liegt an der Kreuzung zweier großer Straßen, der Connecticut Avenue und der Florida Avenue. Dutzende Polizeifahrzeuge standen schon vormittags an der Kreuzung.
Der Präsident nahm erstmals an dem Event teil, das er bisher boykottiert hatte. Aus Sicherheitsgründen fuhr er nicht vor dem Haupteingang des Hotels vor, seine Kolonne nahm die Einfahrt in die Tiefgarage. Diese Sicherheitsmaßnahme wird getroffen, seitdem 1981 vor dem Hilton-Hotel auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan geschossen wurde.
Doch das Hotel ist nun einmal ein Hotel. Und selbst bei dem Großevent des Pressedinners gibt es normale Hotelgäste. Der Veranstaltungsbereich selbst ist dann gesichert: Die Etage, auf der sich der Ballsaal befindet, ist abgesperrt, vor den Rolltreppen befinden sich Sicherheitsschleusen, Personal prüft die Einladungskarten, Metalldetektoren sollen verhindern, dass Waffen an den Veranstaltungsort gelangen.
Der mutmaßliche Täter checkte offenbar schon früher ins Hotel ein
Der mutmaßliche Täter soll sich aber offenbar schon vor Samstag ein Zimmer in dem Hotel genommen haben. So konnte er womöglich die Waffen in das Hilton-Hotel einschleusen. Noch laufen die Ermittlungen. Es heißt, der Secret Service prüfe vor der Veranstaltung die Gästeliste des Hotels, um Straftäter oder Gefährder ausfindig zu machen. Blanche äußerte, er sei sich sicher, dass die Behörden auch dieses Mal ihrer Aufgabe nachgekommen seien.
Sicherheitsfachleute äußerten nun die Vermutung, dass das Pressedinner künftig an einem anderen Ort stattfinden – oder aber das Sicherheitskonzept gänzlich überarbeitet werde. Das würde wohl bedeuten, dass das Hotel am Veranstaltungswochenende keine normalen Gäste aufnehmen kann.
Trump sagte am Samstagabend, das Hotel sei kein besonders sicheres Gebäude. Er nutzte den Hinweis, um für seinen geplanten großen Ballsaal auf dem Gelände des Weißen Hauses zu werben: Der Vorfall habe gezeigt, man brauche Sicherheitsvorkehrungen, „wie sie noch niemand gesehen hat“. Der Saal soll unter anderem kugelsicher sein und auch nicht von Drohnen angegriffen werden können. Am Sonntag schrieb er auf seiner Plattform Truth Social: Was am Samstag geschehen sei, verdeutliche noch einmal, wie nötig sein Ballsaal sei.
