Brände haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Hektar Wald in Hessen geschädigt oder zerstört – und das, obwohl die Bäume ohnehin unter Trockenstress und Hitze leiden. Wie lange dauert es, bis neues Grün an den betroffenen Stellen entsteht? Das kann man beispielsweise im Naturwaldreservat Zackenbruch zwischen Dillenburg-Frohnhausen und Haiger-Oberroßbach im Westerwald sehen. Im August 2022 brannte dort der Wald auf einer Fläche von 25 Hektar.
Ist vier Jahre nach dem Feuer noch alles verkohlt im Wald?
Nein, die Natur hat sich Terrain bereits an vielen Stellen zurückerobert. Auf der betroffenen Fläche sind zwar noch immer die schwarz verbrannten Stümpfe zu sehen. Doch darunter ist es wieder grün – die Vegetation habe sich recht schnell erholt und zu großen Teilen auf natürliche Weise wieder bewaldet, erklärt ein Sprecher des Landesbetriebs HessenForst auf Anfrage.
Welche Bäume haben sich zuerst angesiedelt?
Schon ein Jahr nach dem Brand seien dort zahlreiche Keimlinge verschiedener Waldbaumarten gewachsen, dominiert von Pionierbaumarten wie Birke, Eberesche und Pappel. «Bereits nach einem Jahr waren 8.000 junge Waldbäume je Hektar festzustellen», so der Sprecher. Nach drei Vegetationsperioden zeige sich nun etwa die Hälfte des gesamten Naturverjüngungspotentials an Waldbäumen, «das heißt zu dem, was jetzt bereits auf der Fläche steht, kommen noch weitere Baumarten hinzu».
Wie sieht es mit anderen Pflanzen oder Pilzen aus?
Auch zahlreiche krautige Arten sowie Moos- und Pilzarten, aber auch Gräser seien bereits nach einem Jahr festzustellen gewesen. Gerade bei den Pilzen fänden sich sehr seltene Arten. Dies werde regelmäßig ausgewertet und die weitere Entwicklung wissenschaftlich begleitet, erläuterte der Sprecher.
Schwieriger gestalte sich die Wiederbewaldung auf flachgründigen oder besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzten, trockenen Standorten. Hier habe es in der Vergangenheit jeweils länger gedauert, bis sich Gehölze auf Waldbrandflächen angesiedelt haben. «Dies haben wir beispielsweise auf einigen Waldbrandflächen im Taunus beobachtet», so der Sprecher.
Wie hilft der Mensch?
Nur bedingt – die Förster schätzen nämlich eine baumartenreiche, klimaresiliente und standortgerechte Naturverjüngung. Zeitweise gingen die Forstleute aber auch mit Freischneidegeräten und Motorsägen ans Werk, um in solchen jungen Wäldern etwa die Anteile standortgerechter und trockenstressresistenter Baumarten zu halten oder zu erhöhen – und zugleich Anteile nicht standortgerechter Baumarten zu reduzieren, erklärte der Sprecher.
Teils würden auch junge Bäume an Stellen gepflanzt, an denen die natürliche Verjüngung nicht ausreichend artenreich oder nicht genügend angepasst an den Standort sei. «Manchmal nutzen wir auch den Schirm der Pioniergehölze wie etwa der Birke, um im Schutze ihrer Kronen Schatten liebende Baumarten wie etwa Buche oder Tanne einzubringen.»
Was ist das besondere an dem Naturwaldreservat?
Weil es sich bei dem Waldstück im Naturwaldreservat Zackenbruch um einen sogenannten Bannwald mit der höchsten Schutzkategorie handelt, greifen die Forstleute dort hingegen nicht ein. Hier soll die natürliche Entwicklung unbeeinflusst laufen, wie der Sprecher erläuterte. Wissenschaftlich werde dieser Prozess von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt sowie der Philipps-Universität Marburg begleitet.
© dpa-infocom, dpa:260817-930-539687/1
