
Bislang sind die Rückversicherer, neben der Munich Re auch die Swiss Re und die Hannover Rück, glimpflich davongekommen. Großschäden durch Naturkatastrophen sind in den vergangenen 18 Monaten selten eingetreten. „Das Schadenaufkommen im ersten Halbjahr war unterdurchschnittlich, das gilt auch für den Monat Juli“, sagt Blunck der F.A.Z.
Ob es so bleibt, mag er nicht prognostizieren. Denn für die Munich Re ist als global agierender Rückversicherer vor allem das Schadenaufkommen in den USA, Japan und Australien entscheidend, sagt der für das Segment verantwortliche Vorstand des Münchener Dax-Konzerns. Und der bestimmende Faktor im Schaden- und Unfallgeschäft ist die Hurrikansaison. So traf im vergangenen Jahr kein einziger Hurrikan das Festland der USA, wobei immer besonders hohe Schäden entstehen. Lediglich Hurrikan Melissa, der stärkste und zerstörerischste Sturm des Jahres, erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometer in der Stunde im Oktober 2025 an der Südwestküste von Jamaika. Danach zog er als Hurrikan der Kategorie vier über den Osten Kubas und schwächte sich vor den Bahamas weiter ab.
Unberechenbare Hurrikansaison
Die Hurrikansaison, die typischerweise im Juni beginnt, steuert auf ihren Höhepunkt zu und dauert bis Ende November an. Aber in diesem Jahr ist die Lage besonders unberechenbar. Dafür sorgt das diesmal besonders ausgeprägte Wetterphänomen El Niño. „Insgesamt ist die Hurrikanaktivität während einer El-Niño-Phase im Atlantik geringer. Im Pazifik können dagegen mehr besonders starke Taifune aufkommen. Es hat aber auch schon Jahre gegeben, in denen im Atlantik trotz des El-Niño-Phänomens zwar wenige, aber sehr intensive Hurrikane aufgetreten sind, die für sehr hohe Schäden gesorgt haben“, sagt der Munich-Re-Vorstand.
So traf Hurrikan Andrew im August 1992 in den USA auf Land und verursachte nach heutigem Wert Schäden von rund 63 Milliarden Dollar, wovon 40 Milliarden Dollar versichert waren. „Selbst der Schaden, den ein groß angelegter Cyberangriff anrichtet, liegt bei einem Drittel der Schäden, die ein Hurrikan anrichtet, wenn er in einem dicht besiedelten Gebiet in den USA, etwa in Florida, auf Land trifft“, sagt Blunck.
Hitzewellen lassen Munich Re nicht kalt
Trotzdem können Cyberattacken wie auch die zunehmende Erderwärmung insbesondere in Europa mit mehreren Hitzewellen und ausgedehnten Waldbränden in diesem Sommer die Munich Re nicht unbeeindruckt lassen. Hitze als eher schleichendes Risiko werde zunehmend zum Schadentreiber, warnt der Konzern. Die Folgen der Hitzewellen forderten in den vergangenen Monaten zunehmend Menschenleben. Darüber hinaus beeinträchtigten die außergewöhnlich hohen Temperaturen ebenso wie Fluten und andere Extremwetterereignisse maßgeblich die Infrastruktur und damit auch Lieferketten. Sie verursachten zudem erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie an Gebäuden und technischen Anlagen. Somit entwickelten sich solche Naturgefahren zunehmend zu ökonomischen Risiken, wenn auch die Kausalität bei Hitzeschäden nicht immer einfach herzuleiten sei.
Doch Blunck sieht die Branche gewappnet. „Die europäischen Rückversicherer haben ausreichend Kapazitäten, um Schäden als Folge des Klimawandels in Europa aufzufangen. Das haben wir gemeinsam mit Swiss Re, Hannover Rück und Lloyds auch dem EU-Kommissar für Klimaschutz, Wopke Hoekstra, so dargelegt. Eines zusätzlichen staatlichen Fonds bedarf es aus Sicht der europäischen Rückversicherer nicht.“
Das mag auch daran liegen, dass die Zeiten eines harten Rückversicherungsmarktes, in dem weniger Kapazitäten vorhanden sind, als von Erstversicherern nachgefragt werden, vergangen sind. Auf die Frage, wie weich oder hart der Markt gerade ist, auf einer Skala von eins für „sehr weich“ bis zehn für „sehr hart“, sagte Blunck: „Fünf. Die Nachfrage nach Rückversicherungskapazitäten ist weiterhin hoch, allerdings bei durchschnittlich niedrigeren Margen. Es gibt einzelne Segmente, in denen die Prämien auch höher ausfallen können.“
Und Blunck betont auch, dass die Munich Re längst nicht mehr nur ein Rückversicherer ist. „Die Geschäftsbereiche Rückversicherung Leben, der Erstversicherer Ergo und der Geschäftsbereich Specialty, der in Nischen agiert, stehen inzwischen sogar für mehr Geschäft als die klassische Rückversicherung für Schaden und Unfall und agieren unabhängig und antizyklisch dazu.“
