Ein Walkürenritt im Englischen Garten: Die Münchner Opernfestspiele haben mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners «Walküre» begonnen. Regisseur Tobias Kratzer, der Intendant der Staatsoper in Hamburg, ließ Brünnhildes Walküren-Gang zum Festspiel-Start in einer Filmeinspielung zum berühmten Walkürenritt im dritten Akt durch München galoppieren.
Vom Siegestor durch den Englischen Garten und den Hofgarten bis hin zur Staatsoper reiten die kriegerischen Frauen, eine Spur aus männlichen Opfern hinter sich lassend. Da staunt selbst der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Hans-Joachim Heßler, der den Reiterinnen in dem Videoeinspieler überrascht hinterherschaut.
Lautes Lachen im Opernhaus
Der Einspieler ist der szenische Höhepunkt in Kratzers ansonsten überraschend statisch geratener Interpretation des zweiten Teils von Wagners großer Tetralogie «Der Ring des Nibelungen». Laut gelacht wird dabei im Publikum – und es gibt Szenenapplaus.
Dabei bleibt unklar, was diese Szene über den Unterhaltungsfaktor hinaus zur Inszenierung beitragen soll. Die Idee, das Opernhaus selbst in die Geschichte einzubauen, hatte Kratzer einst in seinem «Tannhäuser» bei den Bayreuther Festspielen auch schon umgesetzt. Allerdings setzte die Inszenierung sich damals auch mit der Frage nach der Bedeutung von Kunst und Kultur, nach dem Verhältnis zwischen Kunst und Kommerz, auseinander.
Weil seine Münchner «Walküre» das nicht tut, steht die witzige Filmsequenz ein bisschen allein und uneingebunden da in einer ansonsten weitgehend klassisch, manchmal sogar statisch und sehr werktreu erzählten Geschichte.
Den Publikumsgeschmack scheint das Werk trotzdem zu treffen: Viel Applaus gibt es für Kratzer und sein Team, als der Vorhang fällt – und noch mehr für Generalmusikdirektor Vladimir Jurowsi und sein Orchester. Gefeiert werden auch die Sänger, von denen einige Debütanten in ihren jeweiligen Rollen sind. Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) lässt sich später beim Staatsempfang zur Festspiel-Eröffnung zu dem Satz hinreißen, es sei die heißeste und längste Festspielpremiere gewesen, die er im Amt erlebt habe – und vielleicht sogar die beste.
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