Seine Loyalität hat sich Christian Eckerlin auf die Haut tätowiert, auf den rechten Unterarm ganz offen mit dem Schriftzug: „Hells Angels“. Auf der Brust trägt er einen gefiederten Totenkopf, auf dem Unterschenkel die „81“, für die Anfangsbuchstaben „HA“. Er hat Autos gefahren, die Kennzeichen mit der „81“ hatten, und in einer seiner Telefonnummern tauchte die Zahlenfolge sogar mehrfach auf.
Seit wann Eckerlin Mitglied der Hells Angels ist, ist nicht bekannt. Über das Thema spricht er nicht. Es muss nach dem Ende seiner Fußballkarriere gewesen sein, irgendwann nach 2008, als sein Traum vom Profi geplatzt war. Eckerlin arbeitete als Türsteher im Frankfurter Bahnhofsviertel, in Nachtklubs und schließlich im „Roten Haus“. Chef des Bordells war Walter Burkard, Spitzname Schnitzel-Walter, einer der mächtigsten Hells Angels in Deutschland. Er nahm Eckerlin unter seine Fittiche.
Der Frankfurter Hells-Angels-Präsident investierte auch in Eckerlins zweite Karriere: Mixed Martial Arts, kurz MMA. Übers Boxen kam Eckerlin zum Käfigkampf, bei dem so gut wie alles erlaubt ist: Schlagen, Treten, Werfen, Ringen, auch am Boden noch. Nur dank der Unterstützung von Burkard, so hat es Eckerlin selbst erzählt, habe er den Sport professionell angehen können.
Heute füllt Eckerlin, dessen Karriere als Fußballer nicht über ein paar Einsätze in der dritten Liga hinauskam, ganze Fußballstadien. Er ist der bekannteste MMA-Kämpfer Deutschlands – auch dank RTL. Der Sender hat einen Exklusivvertrag mit Oktagon, dem Veranstalter, bei dem Eckerlin in den Käfig steigt. RTL-Unterhaltungschefin Inga Leschek trainierte 2025 persönlich mit Eckerlin und schwärmte: „Mein Traum wurde wahr.“ Bei RTL+ läuft die Dokuserie „Eckerlin – eine MMA-Familie“. Die verspricht „ein authentisches Bild eines Mannes, der Stärke nicht nur im Ring zeigt, sondern auch im Umgang mit seinen Liebsten.“ Gemeint sind seine beiden Kinder und Ehefrau Dominique, die Tochter von Walter Burkard.

Worum es in der RTL-Serie nicht geht: die Hells Angels. Polizeibehörden in aller Welt führen die Rocker als „Outlaw Motorcycle Gang“, deren Mitglieder alles machen, „was das Strafgesetzbuch hergibt“, wie ein deutscher Ermittler sagt. Das „Charter Westend“, also die Frankfurter Ortsgruppe, deren Präsident Burkard war, wurde 2011 verboten. Das entsprechende Schreiben des hessischen Innenministeriums war an 36 Mitglieder adressiert, darunter: Christian Eckerlin. Begründet wurde das Vereinsverbot mit einer Vielzahl an Straftaten: 17 Mitglieder des „Hells Angels MC Charter Westend“ seien mit insgesamt 70 Einträgen aktenkundig, heißt es in dem Dokument, das der F.A.Z. vorliegt.
Von Beleidigung und Nötigung über Kokainhandel bis Totschlag
Auch für Eckerlin wurde eine Vorstrafe aufgeführt. Bei einer Fahrzeugkontrolle hatten Polizisten in seinem Handschuhfach 70 Tabletten des Arzneimittels „Danabol DS“ gefunden. Das ist ein anaboles Steroid, das Bodybuilder gern nehmen, um schnell Muskelmasse aufzubauen. 2009 wurde er wegen des Besitzes von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport zu einer Geldstrafe verurteilt. Andere Mitglieder hatten deutlich schwerwiegendere Einträge: von Beleidigung und Nötigung über Kokainhandel bis Totschlag.
Die Hells Angels wehrten sich und argumentierten, dass es sich um die Straftaten einzelner Mitglieder handle, für die der Klub keine Verantwortung trage. Doch der Hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigte das Verbot. Die Richter verwiesen darauf, dass kriminelle Mitglieder „ohne Rücksicht auf Art und Schwere ihrer Straftaten mit einer nahezu bedingungslosen Solidarität ihres Charters rechnen konnten“.

Als ein Frankfurter Hells Angel 2006 von der Polizei gesucht worden war, weil er im Streit einen Türsteher erstochen hatte, gab es Hinweise, dass sein Charter die Flucht ins Ausland organisierte. Er wurde bei einer Polizeikontrolle erwischt. Im Auto hatte er den Brief eines Klubbruders, mit Notfallnummern und Anweisungen, unterzeichnet mit: „Wir alle sind in Gedanken bei dir und wünschen Dir alles Gute!“ Im Gefängnis erhielt er dann regelmäßig Besuch, so steht es im Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, oft auch von Präsident Burkard.
Mit dem Verbot des „Charters Westend“ wurden alle Insignien des Vereins verboten. Im Ausland aber gilt das nicht. Und so gibt es bei Instagram ein Foto von Eckerlin, aufgenommen offensichtlich 2022 in Istanbul, auf dem er seine Kutte trägt. Auf der rechten Brust steht „Dequiallo“, ein Abzeichen, das laut Kronzeugen und Ermittlern an Hells Angels verliehen wird, die gegen Polizisten gewalttätig geworden sind.
Auf der anderen Brust steht „Westend“ und „Sgt. at Arms“. Der „Sergeant at Arms“ gilt nach dem Präsidenten und dessen Vize als dritthöchstes Amt in einem Charter. Er kümmert sich um die Disziplin, darf finanzielle oder körperliche Strafen gegen andere Mitglieder aussprechen. Außerdem ist er für den Schutz des Klubhauses zuständig – und damit oft auch für die Bewaffnung.

Eckerlins Anwälte gehen in ihrer Antwort auf einen langen Fragenkatalog der F.A.Z. nicht auf dessen Rolle bei den Hells Angels ein. Da Ende September der nächste große Kampf anstehe, betreffe die geplante Berichterstattung „unseren Mandanten als Sportler“, schreiben sie. „Spekulationen über angebliche Aktivitäten unseres Mandanten außerhalb des sportlichen Bereichs sind damit ohne erkennbare Relevanz.“
Wenn Eckerlin in den vergangenen Jahren in den Käfig stieg, war oft auch Uwe Rühl dabei. Er interessiert sich für Kampfsport, vor allem aber für kriminelle Rocker. Bis zu seinem Ruhestand 2025 war er Ermittler im Rockerdezernat des Berliner Landeskriminalamts. Ein Kollege aus Frankfurt bat ihn, zu einem Kampf zu kommen, und das machte Rühl dann regelmäßig. Er half dem Kollegen, zu verstehen, welche Rocker da zusammenkamen und welche Rolle sie in ihren jeweiligen Chartern spielten. Im VIP-Bereich, sagt Rühl, treffe sich das „das Who’s who der Hells Angels“.
Das neue Charter heißt „West City“
Im Laufe der Jahre lernte Rühl so auch viel über die Strukturen in Frankfurt. Nachdem 2011 das Charter „Westend“ verboten worden war, entstand 2013 „West City“. Es wird bis heute auf der internationalen Seite der Hells Angels geführt, neben zwei weiteren Ortsgruppen in Frankfurt. Offiziell darf „West City“ keine Nachfolgeorganisation des alten Charters sein, sonst könnte es direkt verboten werden. Personell habe sich allerdings wenig geändert, sagt Rühl. Das hätten Kontaktlisten auf beschlagnahmten Telefonen gezeigt.
Ihren großen Einfluss haben die Frankfurter Hells Angels vor allem den Geschäften im Rotlichtmilieu zu verdanken. Sie kontrollieren das Bahnhofsviertel und betreiben Bordelle auch weit über die Stadt hinaus. Das heißt nicht, dass ihnen alle Läden dort gehören. Ermittler gehen aber davon aus, dass ohne Absprache mit den Rockern im Bahnhofsviertel wenig passiert. Eckerlin selbst hat das in einem Podcast mehr oder weniger bestätigt. Auf die Frage, was passiere, wenn man dort eine Tabledance-Bar oder ein Bordell aufmache, antwortete er: „Da wird bestimmt angeklopft von irgendjemandem und gefragt: Was machst du, junger Mann?“ Es sei klar geregelt, „wer da was aufmachen kann“.

Eckerlin gehören, so sagt er es selbst, der Stripklub „Pure Platinum“ und das „Rote Haus“, außerdem zwei weitere Bordelle in Köln und Bonn. Darüber hinaus gibt es, etwa über gemeinsame Geschäftsführer, Verbindungen zu weiteren Läden. Das Rotlichtimperium hat Eckerlin von seinem Schwiegervater übernommen, der wiederum eng mit Marcus Prinz von Anhalt zusammengearbeitet hatte. In einer Dokumentation von ARD und ZDF schwärmte der Mann mit dem gekauften Adelstitel, der selbst wegen räuberischer Erpressung und Menschenhandels vorbestraft ist, ungewöhnlich offen von seinen Geschäften. Um die 20 Bordelle habe er mit Burkard betrieben, sagte er in seiner Villa in Dubai. Zusammen hätten sie mehr Geld verdient „als Boris Becker in seinen Glanzzeiten. Aber deutlich mehr“.
Viele Frauen prostituieren sich aus ökonomischer Not
Deutlich weniger Geld kommt bei den Frauen an, die sich in den Bordellen prostituieren. Sie mieten dort Zimmer, im „Roten Haus“ für 135 Euro pro Tag, eine Packung Kondome und eine Küchenrolle inklusive. Jedes Zimmer hat einen Notfallknopf, mit dem die Frauen die Securitys rufen können. Dazu kommen Steuern und weitere Ausgaben, so dass die Unkosten bei 150 bis 190 Euro pro Tag liegen.
Die meisten Frauen im Bahnhofsviertel kommen aus Ländern wie Rumänien oder Bulgarien. Sie prostituieren sich nicht, weil sie Sexarbeit als guten Weg für sich sehen, sondern aus ökonomischer Not. Viele müssen ihre Familie in der Heimat mitversorgen, nicht wenige haben einen Partner, der wie ein Zuhälter agiert. Leute, die Frauen im Bahnhofsviertel unterstützen, beobachten immer wieder, dass die Frauen zunächst noch verhältnismäßig gut verdienen, dass sie in einem der besseren Bordelle anfangen, etwa dem „Roten Haus“ von Eckerlin. Dann beginnt, nicht selten, eine Spirale nach unten.
Die Arbeit ist körperlich anstrengend, allein um ihre Unkosten zu decken, müssen die Frauen im Schnitt vier bis fünf Kunden bedienen. Die Zimmermiete müssen sie zahlen – ganz egal, ob sie krank sind, ganz egal, wie viel sie einnehmen. Und je verzweifelter die Frauen sind, desto einfacher haben es die Freier, die Preise zu drücken, desto eher lassen sich die Frauen auf Praktiken und Dinge ein, die sie nie ertragen wollten. „Es gibt Männer, die denken, sie bezahlen dich und können dann alles mit dir machen“, sagt eine Frau, die auch schon im „Roten Haus“ gearbeitet hat.
Manche beginnen, sich mit Alkohol oder Drogen zu betäuben, manche kappen all ihre Kontakte, manche entwickeln ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper und vernachlässigen sich selbst. Sie verdienen immer weniger. Und wenn sie die Zimmermiete nicht mehr aufbringen können, fliegen sie aus dem Bordell und landen in einem der billigeren. Oder gleich auf der Straße.
Bei RTL und auch in den Videos auf Eckerlins eigenem Youtube-Kanal kommen diese Frauen nicht vor.

Am „Roten Haus“ ist Eckerlin als Gesellschafter beteiligt, bei den beiden Bordellen in NRW taucht sein Name auf dem Papier nicht auf. Offiziell dürfte er wohl auch gar kein Bordell betreiben – wegen seiner Vorstrafen. 2016 wurde er nach einer Drängelei auf der Autobahn zu einer Geldstrafe verurteilt. 2017 verprügelte er einen Mann, angeblich weil der sein Auto zerkratzt hatte. Der Mann trug ein Schädelhirntrauma davon, Platzwunden an Kopf und Kiefer, Prellungen, Hämatome und einen ausgeschlagenen Zahn, Eckerlin sieben Monate Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung.
Ein Revolver im Wasserbett
2018 fanden Polizisten bei einer Durchsuchung in Eckerlins Haus einen geladenen Revolver, versteckt im Wasserbett im Schlafzimmer. 2025 folgten sieben Monate Bewährung wegen eines Becherwurfs im Stadion und Widerstands gegen Polizisten.
Auf seinem Youtube-Kanal und in Podcasts hat Eckerlin auch selbst immer wieder von Vorstrafen erzählt, von einem weiteren Waffenfund und Dutzenden Anzeigen. „Ist halt so, passiert im Leben“, sagte er dazu. Und auf eine Zuschauerfrage: „Ich bin bestimmt ein Stück weit kriminell.“
Inzwischen sind diese Aussagen nicht mehr zu finden, jedenfalls nicht mehr auf Eckerlins Youtube-Kanal. Anfang September verschwanden dort mehr als 200 Videos, darunter auch mehrere, in denen er über Straftaten und seine Bordelle gesprochen hatte.

Wie vernetzt Eckerlin und die Hells Angels im kriminellen Milieu sind, und welche Rolle dabei auch der Kampfsport spielt, zeigte sich bei einer Boxgala im Dezember 2017: Mehrere Polizisten beobachteten damals das Treiben in der Fraport-Arena, das geht aus geheimen Ermittlungsakten hervor, die die F.A.Z. einsehen konnte. Eckerlin stieg gegen einen Polen in den Ring. Im VIP-Bereich saß die Führungsriege der Frankfurter Hells Angels. Zu ihnen gesellten sich vier Männer, gegen die wegen Drogenhandels ermittelt wurde. Die Polizisten bemerkten „überschwängliche freundschaftliche Begrüßungen“ und lange Gespräche.
Auch aktuell laufen Ermittlungen gegen Eckerlin
Im Lauf ihrer Ermittlungen beobachteten die Polizisten immer wieder auch direkte Treffen der Männer mit einem führenden Frankfurter Hells Angel, in Restaurants, auf Parkplätzen, im Auto. Sie hatten Hinweise, dass die Rocker in den Drogenhandel involviert sein könnten, fanden dafür aber keine Beweise. Die vier Männer wurden schließlich festgenommen und in mehreren Verfahren zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.
Aktuell wird gegen Eckerlin ermittelt, weil er Werbung für ein Onlinecasino gemacht haben soll, das keine Lizenz in Deutschland hatte. Sitz des Casinos war offiziell die Karibikinsel Curaçao – betrieben wurde es offenbar von Frankfurt aus. Anfang September ließ die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Betreiber festnehmen. Allein von 2021 bis 2023 sollen auf seiner Plattform Spieleinsätze von 5,86 Milliarden Euro getätigt worden sein.
Eckerlins Anwälte schreiben dazu, dass ihr Mandant zu keinem Zeitpunkt bewusst Regeln des Sponsorings oder der Werbung verletzt habe. „Persönlich ist Herr Eckerlin stets davon ausgegangen, sich im Rahmen der rechtlichen Vorgaben zu bewegen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Casino sei beendet.
Außerdem weisen sie darauf hin, dass sich ihr Mandant seiner öffentlichen Reichweite bewusst sei und diese für gesellschaftliches Engagement nutze. Zuletzt habe er sich als Schirmherr bei einem Benefizturnier mit dem „Who’s who des deutschen Fußballs“ für krebskranke Kinder eingesetzt.
Auch um Eckerlins Hells-Angels-Charter wurde es in den Jahren nach dem Verbot nicht ruhiger – im Gegenteil. Wie überall in Deutschland drängten Migranten in den Klub und forderten die alteingesessenen Rocker heraus. In Frankfurt eskalierte 2014 ein Streit zwischen Präsident Burkard und Aygün Mucuk. Der türkischstämmige Rocker und seine Gefolgsleute attackierten die Türsteher des Katana-Clubs, Vertraute des Charter-Chefs. Die zogen Waffen und schossen. Mucuk und drei seiner Männer wurden verletzt.

2016 gab es die nächste Schießerei, diesmal am helllichten Tag. Wieder war das Motiv ein klubinterner Streit. Ein Krisengespräch im Steigenberger Hotel hatte im Tumult geendet: Einer der aufmüpfigen Hells Angels brach einem von Burkards Männern die Nase. Er wurde aus dem Klub geschmissen. Für andere Mitglieder galt er damit als vogelfrei. Und als er am Vatertag an der Helium-Bar in der Innenstadt vorbeifuhr, wohl zufällig, stürmte von dort eine Gruppe Hells Angels auf seinen Mercedes zu und schoss. Zwei Insassen wurden schwer verletzt, einer lebensgefährlich. Ein enger Vertrauter von Burkard musste wegen versuchten Mordes ins Gefängnis.
Am Morgen des 17. Oktober 2016 wurde dann Aygün Mucuk tot aufgefunden. Er hatte in Gießen sein eigenes Charter bekommen, sich aber auch dort bald Feinde gemacht. Seine Leiche lag vor dem Klubhaus. Mehr als ein Dutzend Schüsse waren in der Nacht auf ihn gefeuert worden, unter anderem aus einer Maschinenpistole, aus wenigen Metern Entfernung. Die Täter sind bis heute unbekannt.
Keine Reue, sondern ein Totenkopf auf der Hand
Neben Streit unter vermeintlichen Klubbrüdern sind es seit gut 20 Jahren immer wieder auch Zusammenstöße mit verfeindeten Rockergruppierungen, die zu Gewalt und Toten im Umfeld der Hells Angels führen. Schon 2009 wurde etwa Rudi Heinz E. getötet, genannt Eschli. Nach Provokationen vor dem Klubhaus der Bandidos in Duisburg schoss damals Timur A. auf ihn. Der Bandido starb noch in der Notaufnahme. Timur A. wurde wegen Totschlags verurteilt. Reue zeigte er nicht. In einem Interview mit Spiegel TV sagte der Hells Angel: „Es ist besser, wenn seine Mutter weint als meine eigene.“
Timur A. ließ sich einen Totenkopf auf die Hand tätowieren, dazu die Worte „Filthy Few“ – eine Auszeichnung, die Hells Angels nach Angaben von Ermittlern verliehen wird, die einen Gegner getötet haben (auch wenn immer wieder Hells Angels vor Gericht behaupteten, dass „Filthy Few“ demjenigen gebühre, der an der Bar am längsten durchhalte). Seit seiner Haftentlassung lebt Timur A. im Ausland. Er war es, der 2022 in Istanbul das Foto mit Eckerlin in Kutte veröffentlicht hat. Die beiden haben darauf die Arme umeinander gelegt, dazu der Kommentar: #Brothers. Eckerlin hat das Foto gelikt. Daumen hoch für einen Totschläger.

Auch Kassra Zargaran wurde wegen Mordes verurteilt. Er war Mitglied der Hells Angels in Berlin. 2014 stürmte er mit Klubkameraden ein Wettbüro. Dort erschossen sie einen Widersacher des Berliner Charter-Chefs. Im Gefängnis begann Zargaran, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Seine Aussagen wurden im Gericht in Berlin verlesen. Im Zuschauerraum mit dabei war: Walter Burkard aus Frankfurt.
Seit Zargaran aus der Haft entlassen wurde, steht er unter Polizeischutz. Er hat zwei Bücher geschrieben und macht einen Podcast über organisierte Kriminalität. Als er vor wenigen Wochen in Berlin war, klingelt gleich morgens sein Telefon: Er müsse sofort mit seinen Personenschützern ins Landeskriminalamt kommen. Dort erfuhr er, dass die Polizei einen Mann festgenommen und auf dessen Handy zufällig einen Mordauftrag entdeckt hatte. Das Ziel: Zargaran selbst.
So hat es Zargaran der F.A.Z. erzählt, und so bestätigt es auch der pensionierte Rocker-Ermittler Uwe Rühl, der bei solchen Fällen noch immer zu Rate gezogen wird. Der Auftraggeber wusste demnach genau, wo sich Zargaran bewegte. Und auf Nachfrage hatte er dem mutmaßlichen Killer geschrieben, dass der keine Rücksicht auf Unschuldige nehmen solle. Damit waren auch Frau und Kind des Kronzeugen in Gefahr. Die ganze Familie musste in Sicherheit gebracht werden.
Über die Frankfurter Hells Angels, mit denen Zargaran auch gelegentlich zu tun hatte, sagt er: „Das war immer schon das reichste Charter in Deutschland und allein dadurch eine Macht. Jetzt haben sie noch Christian Eckerlin.“ Dass RTL über dessen Mitgliedschaft bei den Hells Angels hinwegsehe und ihm so eine Riesenbühne biete, sei unbegreiflich, sagt der Kronzeuge. „Hier feiert man ein Mitglied einer Organisation, die Menschen ermorden lässt.“ Rocker-Ermittler Rühl sagt: „Es ist unmöglich, was RTL da macht. Das ist einfach Werbung für die Hells Angels.“
RTL aber lässt sich von solcher Kritik, zumindest nach außen, nicht beirren. In einer Antwort an die F.A.Z. geht der Sender nicht auf die Vorwürfe gegen Eckerlin ein. Eine Sprecherin schreibt nur, dass MMA ein Sport mit klaren Regeln und einem Werteverständnis sei, das auf Disziplin, Respekt und Fairness basiere. Diesen sportlichen Kontext bilde RTL ab.
Am kommenden Samstag ist es wieder so weit. Eckerlin steigt im Frankfurter Stadion in den Käfig. RTL überträgt live im Hauptprogramm. Unterhaltungschefin Inga Leschek hat Eckerlin auch noch mal beim Training besucht. Auf ihrem privaten Instagram-Account veröffentlichte sie ein Video, Eckerlin teilte es. Man sah Leschek boxen, Eckerlin lachte in die Kamera. Dazu lief das Lied: „All you need is love.“
