DIE ZEIT: Herr Sauer, wenn Verteidigungsexperten über die Kriege in Gaza oder im Iran sprechen, fällt oft der Begriff »Kill-Chain«. Was ist das?
Frank Sauer: Für deutsche Ohren klingt das martialisch, aber die Kill-Chain ist eine feste Abfolge von Funktionen und Entscheidungen, bevor militärische Gewalt eingesetzt wird. Man sucht Ziele, stuft sie als militärisch relevant ein, verfolgt sie, setzt eine Waffe gegen sie ein und überprüft dann, ob der Angriff erfolgreich war.
ZEIT: Das klingt sehr technisch.
Sauer: Es ist keine rein technische Angelegenheit. Es geht auch um komplexe Abwägungsprozesse und ums Kriegsvölkerrecht. Dafür gibt es spezialisierte Soldaten, die sich mit der Beschaffenheit von Zielen beschäftigen und klären, welche Waffe zur Anwendung kommen muss, um militärisch erfolgreich zu sein. Sie schätzen auch ein, wie sich Kollateralschäden verhindern lassen.
