
Nach versuchten Grenzübertritten hat die Polizei in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla Medienberichten zufolge die ganze Nacht die Grenze zu Marokko abgesichert. Auf Bildern des staatlichen Fernsehens RTVE war zu sehen, wie zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil mit Blaulicht den Grenzverlauf entlangfahren. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von „mehreren Versuchen“.
Am späten Freitagabend hatten rund 500 Menschen in mindestens zwei Schüben versucht, sich von Marokko aus Zutritt zu der Exklave zu verschaffen, wie Medien berichteten. Mehrere Menschen warfen demnach Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Es blieb unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen.
Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), dringt nach der Ankunft zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta dringt auf Unterstützung der Europäischen Union für Spanien. „Möglicherweise wird Migration von interessierter Seite strategisch als Druckmittel eingesetzt“, sagte Barley der Funke-Mediengruppe. „Deshalb sollte die EU jetzt geeint an der Seite Spaniens stehen und das Land dabei unterstützen, die Situation vor Ort unter Kontrolle zu bekommen.“
Die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte Spanien dagegen auf, seine Grenzen zu schützen. „Die gesamte Außengrenze der Europäischen Union zu schützen, ist die Voraussetzung für einen funktionierenden Schengenraum“, sagte Strack-Zimmermann den Zeitungen der Funke-Medien. Spanien müsse deswegen dafür Sorge tragen, „dass seine Grenzen entsprechend geschützt sind“.
Wer den Grenzzaun von Ceuta überwinde, befindet sich noch nicht automatisch im EU-Raum des freien Personenverkehrs, sondern müsse vor der Weiterreise eine zusätzliche Grenzkontrolle passieren, sagte die FDP-Politikerin weiter. „Und genau da liegt die Verantwortung Spaniens.“ Sollte Spanien dabei die EU um Hilfe bitten, sollte die EU dem nachkommen, fügte Strack-Zimmermann hinzu, „denn es gibt viele Instrumente der Unterstützung für Spanien sowohl durch die EU als auch bilateral durch die EU-Mitgliedsstaaten.“
In Ceuta hat sich die Lage mittlerweile deutlich entspannt. Dort waren bis Freitagvormittag etwa 50.000 Menschen irregulär aus Marokko angekommen, viele schwammen an der Küste entlang. Die meisten von ihnen verließen das spanische Staatsgebiet Behörden zufolge mittlerweile wieder Richtung Marokko. Eine nicht bekannte Zahl hält sich dort weiter auf. RTVE zeigte Bilder, wie Menschen in der Nacht zum Samstag in den Straßen laufen und unter anderem Schlafplätze suchen. Die dortigen Aufnahmestellen seien überlaufen, hieß es.
Die an der Küste Nordafrikas gelegenen Städte Ceuta und Melilla stehen seit Jahrhunderten unter spanischer Kontrolle. In den vergangenen Tagen waren fast 50.000 Migranten irregulär nach Ceuta an der Meerenge von Gibraltar gelangt, wie der staatliche Rundfunksender Radio Nacional unter Berufung auf die Regierung berichtete. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach sogar von 60.000.
