Weißer Rauch stieg nicht auf in Oberhaching. Aber es qualmt im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Eine Woche nach der Wahl von München zum deutschen Bewerber für Sommerspiele und Paralympics scheiterte der Versuch einer „Findungskommission“, die stärksten Mitgliedsorganisationen des DOSB von einer neuen Führungsgruppe vorab in toto zu überzeugen. Im Mittelpunkt: Michael Mronz, das IOC-Mitglied.
Der Kölner soll laut Plan im Dezember als Nachfolger von Thomas Weikert zum DOSB-Präsidenten gewählt werden. Am Freitag kam es nicht zur Einheit für dieses Ziel. Weder die Landessportbünde (LSB) noch die Spitzenverbände wollten sich festlegen.
Ohne Nominierungsbefugnis
Es ist nichts Neues, dass Initiativen innerhalb eines Sportverbandes versuchen, schon vor Wahlen Mehrheiten zu beschaffen. Im Sport fällt eher das Gegenteil auf: Auseinandersetzungen auf offener Bühne, Kampfkandidaturen, Entscheidungen am Wahltag. Besetzungen der Positionen sollen schon vorher geklärt sein. Das war der Plan.
Daran ist nichts illegal. Die sich selbst als „informell“ bezeichnende Findungskommission, nominell mit Blick auf die wesentlichen Gruppen im DOSB paritätisch zusammengesetzt, ließ bei der Vorstellung ihrer Wahlvorschläge keinen Zweifel an ihrer allenfalls vorbereitenden Funktion. In ihrem Bericht stellt sie sich als Initiative ohne „eigene Wahl- und Nominierungsbefugnis“ vor.
Das ist ehrenwert, aber auf den ersten Blick erstaunlich. Warum erklärt die Kommission den Verbänden sehr ausgeschmückt, teils redundant eine Selbstverständlichkeit?
Sorge um die Sache
Offenbar antizipierte sie das Gefühl im heterogenen DOSB, von dem Verfahren überfahren zu werden. Selten erschien eine Wahlempfehlung so en détail durchgeplant und auch vorhersehbar. Die Findungskommission einigte sich nicht nur auf Michael Mronz als ersten Präsidentschaftskandidaten, sondern, mutmaßlich in Abstimmung, auch auf die Zusammensetzung des Präsidiums. Die Kommission stellte in Oberhaching ihr Tableau vor. Begleitet wurde dieser Prozess von Fürspracheversuchen einflussreicher Persönlichkeiten.

Es wäre zu einfach, den greifbaren, Widerstand allein mit einem schlechten Gefühl zu begründen. Auch das starke Interesse etwa der Wintersportverbände, einen aus ihrem Kreis als Vizepräsidenten zu installieren, erscheint lösbar. Aber hinter dem Aufbegehren von wenigstens einem Dutzend Verbänden, neben dem Wintersportarten gab es auch kritische Nachfragen aus der Leichtathletik und vom Ruderverband, steht auch die Sorge um die Sache: Kommt der deutsche Sport voran mit diesen Empfehlungen?
Es geht nicht nur um eine erfolgreiche Olympiakampagne, sondern, so wie im Bericht der Findungskommission eigens aufgelistet, um eine „größere gesellschaftliche und politische Resonanz“, um die „Stärkung der Einheit“, um die Rolle des DOSB als „Dienstleister“, um die Reform des Spitzen- und die Entwicklung des Breitensports. Dabei, so die Findungskommission, diene die Olympiabewerbung als „Motor“.
Darin sind sich die Sportfunktionäre einig. Aber manche scheinen nicht sicher, dass der Vermarktungsexperte Mronz die grundsätzliche Neigung, wenigstens aber die Kraft haben könnte, das gewaltige Programm neben dem olympischen Programm erfolgreich zu stemmen. „Seine Zielvorstellung“, heißt es im Bericht der Findungskommission, „ist es, den DOSB zu einem europaweit beziehungsweise weltweit führenden Nationalen Olympischen Komitee weiterzuentwickeln.“
Konzentration auf Olympische Spiele?
Darin sehen Skeptiker eine zu große Konzentration auf das O im DOSB; im Umkehrschluss die Gefahr der Vernachlässigung von Themen, die der DOSB seit seiner Gründung vor 20 Jahren selten in den Mittelpunkt stellte. Jedenfalls sähe er sich nicht vor dieser riesigen Aufgabenfülle, wenn es anders gewesen wäre.
Nicht die „solide“ Vorstellung von Michael Mronz soll in Oberhaching Befremden ausgelöst haben etwa unter Landessportbünden, wie es heißt. Irritiert habe die Uneinigkeit der Spitzenverbände. Das spricht gegen die proklamierte Einheit. Und für einen Wahlkampf. Ein potentieller Gegenkandidat, DOSB-Vizepräsident Martin Engelhardt, steht bereit. Die Beteiligten werden versuchen, eine Konfrontation zu vermeiden. Es wäre aber kein schlechtes Zeichen, wenn der Sport im Dezember die Wahl hätte.
