Walter Röhrl deutet auf einen Schalter am Lenkrad. „Vorher war das Auto eine langweilige Kiste, durch den Knopf ist es ein echtes Rennauto.“ Den Schalter, den der zweimalige Rallye-Weltmeister meint, aktiviert beim Porsche 718 Boxster ein virtuelles Getriebe, das dem Fahrer das Gefühl geben soll, mit einer für elektrische Fahrzeuge eigentlich unnötigen Handschaltung unterwegs zu sein. Nach einer scharfen Rechtskurve auf der Teststrecke des Sportwagenherstellers in Weissach bei Stuttgart schaltet der 79-Jährige danach mehrere Gänge hoch und beschleunigt auf eine Geschwindigkeit von 240 Kilometern in der Stunde.
Der noch voll getarnte Prototyp des Modells 718, den Porsche Anfang 2027 offiziell vorstellen und dann am Stammsitz in Zuffenhausen produzieren will, ist ein Element der neuen Strategie von Porsche-Chef Michael Leiters – wenn auch ein untypisches. Denn der Sportwagenhersteller konzentriert sich in den kommenden Jahren vor allem auf die Entwicklung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und prüft die Entwicklung drei neuer nicht elektrischer Modelle.
„Für viele Porsche-Kunden auf der ganzen Welt spielen Verbrennungsmotoren weiterhin eine ausgesprochen relevante Rolle“, sagte Porsche-Chef Michael Leiters am Dienstag und Mittwoch bei einem Kapitalmarkttag des baden-württembergischen Traditionsunternehmens in Weissach. „Entscheidend ist, dass wir unseren Kunden zum richtigen Zeitpunkt das richtige Angebot machen können.“ Mittelfristig soll so die operative Umsatzrendite (Ebit) von aktuell 7,8 Prozent wieder auf zehn bis 15 Prozent steigen. Das langfristige strategische Ziel liegt bei einer Marge von 15 Prozent. Damit hat sich Porsche nun endgültig von einem Renditeziel von 20 Prozent verabschiedet. Die „Road to Twenty“ hatte Leiters Vorgänger Oliver Blume beim Börsengang des Herstellers 2022 als Ziel ausgegeben.
Porsche plant beim Absatz mit zwei Dritteln Verbrenner
Der Anteil von Autos mit konventionellem oder Plug-in-Hybrid-Antrieb am Gesamtabsatz wird damit auch für die Zeit nach 2030 trotz des für 2035 beschlossenen Verbrenner-Verbots immer noch bei rund 67 Prozent liegen, wie Leiters erläuterte. Das gelte unabhängig von möglichen Änderungen in der Regulierung. „So haben wir in jedem Fall noch vier, fünf Jahre Zeit, mit diesen Autos Geld zu verdienen“, sagte Leiters am Rande der Veranstaltung in einer Runde mit Journalisten. Im vergangenen Jahr hatten rund 78 Prozent der von Porsche verkauften Autos einen Verbrennungsmotor.

Im Rahmen der Verbrenner-Offensive schon beschlossen ist die Produktion eines neuen Modells: Der SUV Macan soll 2028 auf dem Markt kommen. Dazu könnte ein großes Luxus-SUV mit sieben Sitzplätzen kommen, das Porsche intern als Projekt K1 bezeichnet und das vor allem für den amerikanischen Markt bestimmt ist. Zudem denkt Porsche über weitere Varianten des Sportwagens 911 nach und hat eine neue Plattform für einen Supersportwagen entwickelt. „Wir wollen sie als Basis für ein Fahrzeug mit Mittelmotor nutzen, das ganz klar oberhalb des 911 positioniert ist“, sagte Leiters.
Mit diesen Modellen soll sich der Anteil der Fahrzeuge, die Porsche bis 2030 im Top-Segment anbieten will, von heute 32 auf 47 Prozent erhöhen – vor allem aber hofft Leiters, dass die Renditen in gleichem Maße steigen. Der Hersteller plant, durch den Verkauf von mehr Luxusfahrzeugen kombiniert mit einem Ausbau der Individualisierungsangebote und Sonderwunschprogramme, den durchschnittlichen Verkaufspreis um rund 20 Prozent zu steigern. „Wir sprechen hier nicht einfach über Preiserhöhungen, sondern über eine Steigerung des Mehrwerts für den Kunden – und anschließend über Preiserhöhungen. Ich denke, das ist sehr wichtig“, erklärte Leiters.

Im Gegenzug reduziert Porsche die Anzahl der angebotenen Varianten über das gesamte Programm um 20 Prozent, was die Stückzahl bei den verbleibenden Modellen erhöht, eine bessere Skalierung ermöglicht und die Kosten drückt. Leiters hofft so, die Verkaufszahl der einzelnen Varianten um bis zu 30 Prozent zu steigern. Das alles soll auf das langfristige strategische Ziel der operativen Umsatzrendite von 15 Prozent einzahlen. Während der Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozent auf 17,23 Milliarden Euro gesunken ist, ist der operative Gewinn (Ebit) um 33,1 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro gestiegen.
Künftig strebt Porsche zudem eine mittelfristige Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft von zehn bis zwölf Prozent an. In dieser Planung seien die bekannten Belastungsfaktoren bereits berücksichtigt. Die Kombination aus steigender Profitabilität und sinkender Kapitalintensität werde die Cash-Conversion strukturell verbessern, so die Hoffnung in Zuffenhausen. Beim Konzernumsatz strebt Porsche mittelfristig 41 bis 45 Milliarden Euro an.
Während der neue Macan mit Verbrennungsmotor in Leipzig vom Band laufen wird und das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen die Produktion des Modells 718 übernimmt, ist offen, an welchen Standorten die weiteren Neuentwicklungen angesiedelt werden. Für die Varianten des Modells 911 und den Super-Sportwagen kommt wohl nur Zuffenhausen in Frage. Das große Luxus-SUV könnte sowohl nach Leipzig als auch in das Mehrmarkenwerk von VW im slowakischen Bratislava gehen. Eine Möglichkeit wäre auch, dass Porsche den SUV Cayenne von Bratislava nach Leipzig holt – und dafür das neue größere SUV in die Slowakei gibt. „Wir werden das auf Grundlage der finanziellen Zahlen entscheiden“, erklärte Leiters. „Wer das beste Angebot macht, Bratislava oder Leipzig, den werden wir nehmen. Das ist alles.“
Zur Frage, wie viele Autos Porsche künftig im Jahr absetzen will, äußerte sich das Unternehmen nicht. Bereits Anfang 2025 hatte der Hersteller Fabrikkapazitäten reduziert und die Kostenstrukturen auf eine Jahresproduktion von 250.000 Fahrzeugen ausgerichtet. Nun soll die Gewinnschwelle noch weiter sinken: Sie soll künftig schon bei weniger als 200.000 verkauften Autos erreicht werden. Ausgehend von den Halbjahreszahlen wird Porsche in diesem Jahr zwischen 230.000 und 240.000 Fahrzeuge absetzen.
Porsche sieht China nur noch als Nischenmarkt
Im chinesischen Markt will sich Porsche künftig nur noch auf Nischen konzentrieren und geht davon aus, dass der Anteil der in der Volksrepublik verkauften Autos auf zehn Prozent des Gesamtabsatzes sinkt. „Wir blicken bewusst mit sehr konservativen Einschätzungen auf China“, erläuterte Leiters. „Dort gibt es einen ruinösen Preiskampf, der mit Innovationszyklen einhergeht, die langfristig nicht nachhaltig sind – nicht einmal für chinesische Unternehmen.“ Aktuell verkauft Porsche 15 Prozent seiner Autos in China, jeweils 35 Prozent in Europa und Amerika sowie 15 Prozent im Rest der Welt.
Leiters bekräftigte noch einmal das mit der Arbeitnehmerseite vereinbarte Zukunftspaket, das neben einem sozialverträglichen Abbau von rund 9000 Stellen auch eine Standortsicherung für die Stammbelegschaft bis 2035 umfasst. „Wir haben eine Vereinbarung und an die werden wir uns halten“, erläuterte Porsche-Chef. Mit dem Sparprogramm reduziere sich die Belegschaft in Verwaltung und Produktion um rund 25 Prozent, die Zahl der Managementpositionen sogar um 40 Prozent. Die Personalkosten sollen nach Unternehmensangaben so um zehn Prozent sinken, dazu kommen Einsparungen in Entwicklung, Einkauf, Produktionsorganisation und Verkauf.
„Strukturelle Maßnahmen wie diese sind unerlässlich. Strukturen allein verbessern jedoch noch nicht die Leistung“, führte der Porsche-Chef weiter aus und kündigte an, dass der Teil des Jahresbonus für das Top-Management, der an die individuelle Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters geknüpft ist, künftig von zehn auf 30 Prozent steigen werde. „Wir sind der Überzeugung, dass sich Leistungsunterschiede deutlicher und konsequenter in der Art und Weise widerspiegeln sollten, wie wir Führungskräfte vergüten“, erläuterte Leiters. Dasselbe Prinzip gelte im gesamten Unternehmen. „Wir wollen den Zusammenhang zwischen dem individuellen Beitrag und dem langfristigen Wert für das Unternehmen stärken.“
Nach Ansicht des Porsche-Chefs braucht der Sportwagenhersteller diese neue Leistungskultur – neben Fahrzeugen wie dem von Walter Röhrl zuerst als langweilige Kiste geschmähten elektrischen 718. Aber der Knopf am Lenkrad macht aus dem Fahrzeug fast einen Verbrenner, auf die Porsche in den nächsten Jahren nicht zuletzt setzt.
