Die grausamste Eröffnungsfeier einer Fußball-WM? Ohne Frage Russland 2018. Nicht wegen des Auftritts des mittlerweile zum FIFA Music Ambassador aufgestiegenen Robbie Williams (Ja, das ist eine offizielle Funktion in der Welt der Fédération Internationale de Football Association des Giovanni Vincenzo Infantino). Nein, für Grausamkeiten waren, sind und bleiben die beiden Männer zuständig, die links und rechts neben Gianni Infantino saßen: Wladimir Putin und Muhammad Bin Salman, inzwischen beide WM-Gastgeber, wenigstens in spe. Was dem einen Kriegsverbrechen, sind dem anderen Hinrichtungen. Und auch wenn Butscha und „bone saw” noch in der Zukunft lagen: Moskau setzte Maßstäbe.

Da machte sich die Eröffnung am Donnerstagmittag im Aztekenstadion doch anders. Vor allem durch eine auffällig Abwesende. Die Präsidentin der Estados Unidos Mexicanos, Claudia Sheinbaum, war nirgends zu sehen. Ihre Karte, Nummer 00001, hatte sich Yolett Cervantes Cuaquehua erspielt mit einem Video, in dem sie ihre Ballfertigkeit zeigt. Yolett Cervantes Cuaquehua, 21 Jahre alte Nahua, steht nun für Claudia Sheinbaums Anliegen, Frauen, insbesondere Mexikos Sportlerinnen, mehr Raum zu geben. Der persönliche WM-Boykott der Präsidentin erspart ihr wohl Pfiffe des Oberschichtenpublikums, das sich die Eintrittskarten zu Spielen der Nationalmannschaft leisten kann. Das ist dezidiert nicht die Zielgruppe der Linkspopulistin.
Sie bleibt bei dieser Nummer am Ball: auch die anderen Spiele wird Claudia Sheinbaum nicht im Stadion verfolgen. Der Erfolg gibt ihr recht. Das Eröffnungsspiel dieser Weltmeisterschaft endete jedenfalls mit einem 1:0 für die weibliche Form der Fußball-PR.
