Für ein Kunstwerk ist der Verkehrskreisel an der Kolberger Straße in Friedrichsdorf, zwischen Rewe und einem Tierfutter-Markt, kein besonders repräsentativer Ort. Doch dass am vergangenen Donnerstag mitten auf diesem Kreisel eine silberne Bären-Skulptur enthüllt wurde, ist für die Mitarbeiter der Arnold AG, die hier im Industriegebiet sitzt, etwas ganz Besonderes: Sie haben die gut zwei Meter hohe Plastik „Bear.2“ nach Entwürfen des Künstlers A. P. Rott angefertigt. „Ich freue mich riesig, dass der Bär hierherkommt“, sagt Vincent Landripet, der bei der Präsentation mit seinen Kollegen in Arbeitshose und T-Shirt zwischen den Gästen aus der Friedrichsdorfer Stadtpolitik und Bekannten des Künstlers steht.
Landripet hat schon an mehreren Kunstwerken mitgewirkt, seit er 2017 als Auszubildender bei der Arnold AG angefangen hat. Aber viele der Skulpturen, die das Metallbauunternehmen für Künstler baut, stehen in fernen Ländern. Das gilt beispielsweise für einen gigantischen goldenen Falken, den der Niederländer Tom Claassen für den Flughafen in Doha entworfen hat. An der zwölf Meter hohen Skulptur durfte Landripet schon als Auszubildender mitarbeiten.

Die Arnold AG hat sich mit der Anfertigung von Skulpturen einen Ruf erworben, seit sie 1998 erstmals einen Entwurf des amerikanischen Künstlers Jeff Koons umgesetzt hat. „Das ist toll, das ist echtes Handwerk“, sagt Vorstand Boris Bachmeier. Er nimmt die Enthüllung der Skulptur aber auch zum Anlass, deutlich zu machen, dass die Arnold AG nicht nur Kunst kann. „Wir machen hier Serienproduktion für Industriekunden und bauen bis zu 200 Maschinen im Jahr“, sagt er in seiner Ansprache. Außerdem fertige Arnold „alles, was auf einer Yacht aus hochwertigem Metall verbaut ist – Reling, Schornsteinverkleidung, dekorative Elemente“.
Bachmeier musste Kosten senken
Das Geschäft mit den Yachten macht bislang zwar nur ein Fünftel der Umsätze aus, wie Bachmeier im Gespräch mit der F.A.Z. sagt, wachse dafür aber besonders stark. Ihm sei das Bekenntnis zu allen drei Geschäftsfeldern wichtig. In der Vergangenheit sei die Arnold AG intern „quasi zerrissen“ gewesen, sagt der seit September 2024 amtierende Manager. Einige Mitarbeiter seien sogar nur für einzelne Kunden zuständig gewesen. „Wenn der Kunde nichts bestellt hat, dann waren die Leute quasi im Stand-by“, das sei schlicht und einfach zu teuer gewesen.

Inzwischen habe er „Fürstentümer aufgelöst“ und die Kosten gesenkt, sagt der Sechsundvierzigjährige. Dafür seien auch Arbeitsplätze abgebaut worden, hauptsächlich allerdings, weil Mitarbeiter, „die sich nicht verändern wollten“, das Unternehmen von sich aus verlassen hätten. Zudem seien durch Renteneintritte frei werdende Stellen zum Teil nicht neu besetzt worden. Gegenwärtig arbeiteten am Stammsitz in Friedrichsdorf und am zweiten Standort der Arnold AG in Thüringen insgesamt 320 Beschäftigte, etwa 400 seien es früher gewesen.
Der Break-even – also der Punkt, an dem die jährlichen Einnahmen die Kosten decken – liege jetzt deutlich niedriger als bei seinem Amtsantritt, sagt Bachmeier. Als er im Herbst 2024 zum Vorstand berufen wurde, schrieb die Arnold AG rote Zahlen. Das habe sich schon 2025 geändert, so der Manager – trotz eines Hackerangriffs im Juli vergangenen Jahres. Für 2026 peilt Bachmeier einen Umsatz von 65 Millionen Euro an, binnen fünf Jahren will er ihn auf 100 Millionen Euro steigern.
Dafür hat Bachmeier den Vertrieb aufgestellt. „Wir werden die Märkte jetzt besser durchdringen“, sagt er. Beispiel Medizin- und Sicherheitstechnik: Arnold beliefert bereits mehrere Hersteller von Röntgenscangeräten mit verbleiten Gehäusen, die vor Strahlen schützen. Hier will Bachmeier weitere Kunden gewinnen. Wachstumschancen sieht er auch im Geschäft mit Zugherstellern, „da beliefern wir schon die Top 5, setzen aber auf eine Portfolio-Erweiterung“. Das heißt: Kunden sollen künftig mehr Produkte angeboten werden, zusätzlich zu Batteriegehäusen etwa Bauteile für den Aufprallschutz.
Gespräche mit der Rüstungsbranche laufen
Auch für Geschäfte mit der Rüstungsbranche zeigt sich der ehemalige Luftwaffenoffizier offen. Dabei geht es laut Bachmeier aber weniger um Waffentechnik als – dank der Expertise in Blechumformung, Stahlbau und Lackierung – um die Zusammenarbeit mit Herstellern von Militärfahrzeugen. Erste Gespräche liefen bereits.

Zur Völkerverständigung soll unterdessen die Bären-Skulptur beitragen, die jetzt wenige Hundert Meter vom Unternehmenssitz entfernt in der Mitte des Verkehrskreisels steht. So stellt es sich jedenfalls der Künstler A. P. Rott vor. Der erste Bär, den er bei Arnold fertigen ließ, ist nach Angaben Rotts in Kanada installiert. Der nun in Friedrichsdorf aufgestellte Zwilling ist im Taunus nur zu Gast, er soll verkauft werden. Die Einnahmen sollen laut Rott „zum Großteil“ dafür verwendet werden, ein Austauschprogramm für kanadische und deutsche Jugendliche zu finanzieren. Rott arbeitet in Kanada nach eigenen Angaben bereits mit einer Stiftung zusammen, weil er dort mehrere Skulpturen in einem Nationalpark aufstellen will.
Der Siebenundsechzigjährige, der in der Vergangenheit den Fahrradschloss-Hersteller Trelock in Münster geführt hat und bei der Enthüllung des Friedrichsdorfer Bären erstmals als Künstler in Erscheinung trat, lässt alle diese Skulpturen bei Arnold fertigen. In einer der Produktionshallen des Unternehmens sind bereits die gewaltigen Arme einer Figur zu besichtigen, die neun Meter hoch werden soll und aus rund 750 Einzelblechen zusammengeschweißt werden muss. Noch viel Arbeit also für Vincent Landripet und seine Kollegen.
