Aus zwei mach acht: Nach diesem Prinzip ist die Stadt Frankfurt auf dem Merianplatz im Nordend vorgegangen. Anstelle der beiden vor einem Jahr vergifteten stadtbildprägenden Platanen, die durch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat so geschädigt worden waren, dass sie gefällt werden mussten, hat das Grünflächenamt in diesem Frühjahr acht neue Bäume gepflanzt. Gehölze, die inzwischen austreiben. Sie brauchten noch Zeit, ehe sie die beiden 60 Jahre alten Platanen ersetzten und wie diese „großflächig Schatten spenden und große Mengen Kohlendioxid binden“, so Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodriguez (Die Grünen). Doch die „konsequente Begrünung“ mache den Merianplatz schon jetzt wieder zu einem „lebenswerten und attraktiven Ort“, sagte sie bei der offiziellen Vorstellung der neuen Begrünung.
Wie an vielen anderen Stellen in der Stadt setzt das Grünflächenamt inzwischen darauf, an Straßen und auf Plätzen möglichst viele verschiedene Laubbäume zu pflanzen. Allesamt Baumarten, die auf der „Frankfurter Baumliste“ stehen. Dort registriert das Grünflächenamt die Arten, die mit dem veränderten Klima in Frankfurt, also mit länger anhaltenden trockenen und heißen Sommern, aber auch mit Frosttagen im Winter gut zurechtkommen. Weil sie an die klimatischen Bedingungen in der Stadt besser angepasst sind und zugleich zur Biodiversität beitragen, sprechen Fachleute von „Zukunftsbäumen“.
Am Merianplatz hat das Amt insgesamt sieben Arten ausgewählt, darunter auch wieder eine Platane. Dieses Mal ist es allerdings eine Orientalische oder Morgenländische Platane, die möglicherweise noch besser mit Hitze und Trockenheit umgehen kann als die klassische Platane. Daneben sind Esskastanie, Ungarische Eiche, Zerreiche, Amerikanische Linde, zwei Winterlinden und eine Japanische Zelkove gepflanzt worden.

Vor allem sind die Neupflanzungen genutzt worden, um den Bäumen mit ihren Wurzeln mehr Raum zu geben. Die beiden alten Baumstandorte der Platanen waren nicht zu nutzen. Nach heutigem Standard standen sie zu dicht an dem angrenzenden Gebäude, dem historischen Merianbad mitten auf dem Platz. Für die neuen Bäume hat das Amt für Straßenbau und Erschließung insgesamt 120 Quadratmeter Fläche entsiegelt, die Erde bis zu 1,50 Tiefe ausgehoben und die Löcher anschließend mit hochwertigem Pflanzsubstrat verfüllt. Wie Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) mitteilte, hat sein Amt bei den Bodenarbeiten so manche Überraschung erlebt: Da sei Kriegsbauschutt gefunden worden, und man habe eine vermutlich rund hundert Jahre alte gusseiserne Wasserleitung zunächst als Kampfmittel identifiziert.
Am Ende bleiben nun insgesamt 60 Quadratmeter unversiegelt. Acht Staudenbeete sind um die Bäume angelegt worden, in denen Regenwasser versickern kann. Ein Großteil der Beete ist von den Auszubildenden des Grünflächenamts bepflanzt worden, die vor allem insektenfreundliche Stauden ausgewählt haben wie Bergminze, Steppensalbei oder Sonnenhüte.
Da die Vergiftung der alten, großen Platanen vor einem Jahr bei vielen Bewohnern im Nordend große Bestürzung ausgelöst hatte, will die Stadt auf dem Merianplatz eine Skulptur zur Erinnerung an diesen „Baumfrevel“, wie Zapf-Rodriguez es nennt, errichten. Dem Entwurf hat der Ortsbeirat schon zugestimmt. Er zeigt einen aus Stahl nachempfundenen Baumstumpf mit darunter liegendem Laub. Der Ortsbeirat wünscht sich zudem ein Schild mit einer entsprechenden Erklärung.
Ortsvorsteherin Karin Guder (Die Grünen) lobte den „neuen Wohlfühlort für Bäume und für uns Bürger“ und dankte den Ämtern für das schnelle Handeln. Bei der Abwägung vieler Interessen sei insgesamt eine gute Lösung gefunden worden. Auch bisherige Kritiker, wie Kaweh Nemati von der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße, lobten die Gestaltung. „Optisch ist das sehr, sehr schön“, sagte er.
Allerdings werde es Einschränkungen für das Berger Straßenfest, das am Wochenende nach Pfingsten stattfindet, geben. Für vier Stände mit Sitzplätzen, die auf dem Merianplatz vertraglich zugesichert worden seien, müsse eine andere Lösung gefunden werden. Doch selbst in diesem Punkt zeigt sich Nemati zuversichtlich: „Wir werden schauen, wie wir den Schaden begrenzen können.“
