Der Formel-1-Rennstall Mercedes sieht sich gerüstet für die am 8. März beginnende Saison. „Wir halten uns nicht für den Favoriten“, sagte Teamchef Toto Wolff am Montag während einer digitalen Pressekonferenz kurz nach der Vorstellung des neuen Boliden W17, „aber wir sind dabei im Kampf um Siege.“
Grundlage für diese Prognose ist die Erfahrung des einstigen Serienweltmeisters bei den ersten Testfahrten in der vergangenen Woche in Barcelona. Obwohl die Versuchsrunden aus verschiedenen Gründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollten, ließ sich das Ergebnis ablesen: Kein Team kam auf Anhieb so problemlos mit dem neuen Fahrzeug- und Antriebskonzept in die Gänge wie Mercedes.
Nur bei Ferrari läuft es ähnlich gut wie bei Mercedes
Die Piloten George Russell und Kimi Antonelli drehten auf dem „Circuito de Catalunya“ an den zugestandenen Trainingstagen die meisten Runden, ohne von außen erkennbare Defekte. Bei dem sogenannten „Shakedown“ wollten die Rennställe herausfinden, ob die neuen Systeme nach der größten Regeländerung in der Geschichte der Formel 1 reibungslos funktionieren, etwa der Hybridantrieb, dessen Elektromotor nun fast 50 Prozent der Leistung liefert.
Nur der Ferrari schien fast so störungsfrei zu laufen wie der Mercedes. Red Bull wurde wegen eines Ersatzteilmangels nach einem Unfall von Isack Hadjar gebremst. Weltmeister McLaren blieb fast 1000 Kilometer hinter der Laufleistung des Mercedes zurück. Debütant Audi kam nach einem Defekt und wenigen Runden am ersten Tag erst beim letzten Einsatz auf Touren. Der britische Rennstall Williams schaffte es nicht, seinen Rennwagen rechtzeitig fertigzustellen.

„Wir haben viele Daten gesammelt“, sagte Wolff, „wir sahen beim Longrun gut aus. Aber wir haben Max (Verstappen im Red Bull) und McLaren nicht gesehen.“ Zwar beteuerten alle Rennställe, dass die Rundenzeiten keine Rolle spielten, weil vor allem die Standfestigkeit geprüft wurde und zum Beispiel der Einsatz des „Boostmodus“, der auf Knopfdruck das Tempo laut Wolff um 30 Kilometer pro Stunde erhöht.
Aber der Mercedes hielt nicht nur durch, die Fahrer kreisten an zwei der drei Tage schneller als alle anderen. Beim ersten von zwei Tests in Bahrain Mitte Februar werden die Autos peu à peu auf Tempo getrimmt.
Wolff schwärmte von der neuen, „aggressiven“ Form des Mercedes. Das Modell des vergangenen Jahres wirke im Vergleich wie ein „Walfisch“. Der Österreicher wies den Verdacht von Konkurrenten zurück, bei der Konstruktion des V6-Verbrenners nicht den Geist des Gesetzes eingehalten zu haben. Sein Team und Red Bull sollen einen Weg gefunden haben, das vorgeschriebene Verdichtungsverhältnis im Zylinder (16:1) im Fahrbetrieb zu erhöhen (18:1). Über eine effektivere Verbrennung könnten zwei, drei Zehntelsekunden pro Runde gespart werden.
Die Regularien, deren Interpretation und deren Umsetzung, sagte Wolff mit Blick auf Kritiker, die er „Nörgler“ nannte, seien eingehalten worden: „Vielleicht suchen sie nach Ausreden für ihr internes Stakeholder-Management. Wenn sie sich selbst damit unterhalten wollen, bitte.“ Mercedes-Antriebe werden auch von McLaren, Williams und Alpine gefahren.
