
Trump oder Leo XIV.? Die Römerin Giorgia Meloni musste nicht lange überlegen, auf wessen Seite sie stehen will: auf der des Papstes. Sie weiß, was sie der italienischen Staatsräson schuldig ist. Und dazu gehört das Bekenntnis zum Papsttum. Auch der vierte Nichtitaliener in Folge auf dem Stuhl Petri hat daran nichts geändert. Ausgerechnet Meloni, die in Europa neben Orbán wohl den besten Draht zum amerikanischen Präsidenten pflegte, kritisierte Trump nun schärfer, als Merz, Macron und die meisten anderen westlichen Staatsmänner es je getan haben.
Die Zunge gelöst haben dürfte der italienischen Ministerpräsidentin auch die wachsende Anti-Trump-Stimmung im Land. Ihr Image als Einflüsterin des US-Präsidenten wurde immer mehr zur Belastung.
Meloni weiß, wann Grenzen überschritten sind
Meloni hätte weniger scharfe Worte wählen können. Trump wäre es dann möglich gewesen, sie zu ignorieren. Doch sie scheute die Konfrontation nicht. Wer immer noch glaubte, Meloni und Trump in einen Topf mit der Aufschrift „Rechtspopulisten“ werfen zu können, sollte eines Besseren belehrt sein. Meloni weiß, wann Grenzen überschritten sind – und respektiert sie.
Aber was bringt ihre Trump-Schelte? Italien und Europa müssen mit ihm noch eine Weile auskommen. Man hat sich schon fast an die Rumdruckserei aus politischer Klugheit gegenüber Trumps Maßlosigkeiten gewöhnt. Gerade deshalb war es gut, dass Meloni Trump gezeigt hat, wer der Papst im Haus ist.
