
Döpfners KI-Entgegnung befand, dass deren Einsatz nicht nur als Recherchemittel, sondern auch beim Schreiben erlaubt sei. Alles andere sei der „verzweifelte Versuch der Postkutschen-Lobby, das Automobil zu verbieten“. Dass der Journalismus sich selbst aufgibt, war der Döpfner-KI keine Überlegung wert.
Bei „Welt TV“ übte sich der Springer-Chef in der Kunst, den Pudding an die Wand zu nageln. Seinen KI-Wurf will er als provokanten, durchargumentierten Beitrag zu einer wichtigen Debatte verstanden wissen. Neue Technologien seien nicht zuerst moralisch zu bewerten, KI sei eine existenzielle Herausforderung. Man solle sich nicht darauf verlegen, dass die Nutzung von KI „wie illegaler Drogenkonsum enthüllt wird“.
Wenn etwas zu 100 Prozent KI sei, müsse man das kenntlich machen, dem Verständnis von Journalismus bei Springer entspreche die Voll-KI nicht, es gelte das Verantwortungsprinzip, einen Beitrag wegen KI-Verdachts zu „canceln“ sei jedoch absurd, sagte Döpfner und endete damit, dass „wir“ die „vertrauenswürdigste Absenderschaft“ überhaupt darstellen müssten, das gelinge, wenn man menschliche und Künstliche Intelligenz kombiniere.
Das war ein Fazit, das man glatt unterschreiben könnte, hätte Döpfner nur einmal klar die Trennlinien bekannt. Wüssten wir es nicht besser, würden wir auch den leibhaftigen Döpfner im Studio für eine geschwätzige KI halten.
