Was essen Sie zum Frühstück?
Ich frühstücke immer sehr ausgiebig, weil ich abends kaum etwas esse. Ich wache also hungrig auf. Zuerst trinke ich ein Glas Wasser und presse dazu eine halbe Zitrone aus. Anschließend esse ich einen großen Teller mit Obst: Papayas, Kiwis, Bananen, manchmal Ananas und Blaubeeren. Danach esse ich Arepas, runde Maisfladen wie in meiner Heimat Venezuela. Dazu gekochte Eier und panierte Hähnchenschenkel, einen Orangensaft und später grünen Tee mit Ingwer und Zitrone. Den ersten Kaffee, einen Macchiato, trinke ich im Büro.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Wir waren fünf Schwestern, und meine Mutter ist immer nach Caracas gefahren, um Stoffe einzukaufen. Dann kam eine Schneiderin, die unsere Kleidung genäht hat. Ich war so daran gewöhnt, dass ich auch in Italien immer jemanden hatte, der meine Kleidung nähte. Ich war auch vielen Modedesignern sehr nahe, Gianfranco Ferré war mein Favorit. Er liebte es, wenn ich nach seinen Schauen hinter die Bühne kam. Dann schnappte er sich einfach etwas, gab es mir und sagte: „Das solltest du tragen!“ Ich besitze viele zeitlose Stücke wie dieses hier von Jean Paul Gaultier, es ist schon 40 Jahre alt.
Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
Wahrscheinlich ein Blazer von Yves Saint Laurent, den ich noch in Caracas gekauft habe. Als ich 1968 zum Studieren nach Perugia kam, hatte ich ihn dabei. Er ist kamelfarben mit schwarzen Akzenten, wunderschön und noch total angesagt. Ich habe ihn früher oft zu schwarzen Hosen oder Röcken getragen.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Ich schreibe immer von Hand. Am Computer kann ich nicht arbeiten, weil ich nicht weiß, wie es geht. Ich habe aber gelernt, meine Mails auf dem iPad zu lesen. Meine Assistentin Chiara druckt meine Mails aus, ich beantworte sie dann mit der Hand und gebe sie ihr. Oder ich diktiere ihr, wenn meine Antworten sehr lang sind.
Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?
Es waren viele Bücher in den verschiedenen Phasen meines Lebens, aber ein Buch, das ich immer wieder lese, ist „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez. Es erinnert mich an meine Kindheit in Venezuela.
Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?
Die Welt steht Kopf oder wie wir in Venezuela sagen: Patas arriba. Es scheint ein einziger Krieg zu sein. Und er, Sie wissen schon, wen ich meine, ändert jeden Morgen seine Meinung. Dennoch lese ich gerne Zeitungen, schon um Mitternacht auf meinem iPad den „Corriere della Sera“. Um 5.30 Uhr, wenn ich aufwache, lese ich die „New York Times“ und rufe dann meinen Sohn Gustavo in Madrid an, um mit ihm über die Neuigkeiten zu reden.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Das kommt darauf an, mit wem ich rede. Aber oft hat es dann doch auch wieder mit meiner Arbeit zu tun.

Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?
Ich weine viel, wirklich viel. Eigentlich jedes Mal, wenn ich ins Kino gehe.
Ich bin nicht abergläubisch, aber in Lateinamerika gibt es viele alberne Bräuche, mit denen ich aufgewachsen bin und an denen ich festhalte. Ich reiche zum Beispiel Salz nicht von Hand zu Hand, weil es Unglück bringen soll. Ich stelle das Salz vor dem anderen auf den Tisch, damit er es sich dann nehmen kann.
Worüber können Sie lachen?
Ich lache sehr viel, vor allem mit einer Freundin, die von sich immer sagt, sie sei „Marvas weiße Schwester“. Wir scherzen und tratschen ständig. Es braucht nicht viel, uns zum Lachen zu bringen.
Zunächst einmal liebe ich meinen Namen: Marva. Über ihn bin ich sehr glücklich und danke meinem Vater dafür, weil alle immer sagen: „Oh, Marva, was für ein schöner Name!“ Ich habe in ganz Italien noch nie eine andere Marva kennengelernt. Nur meine Nichte heißt auch Marva, eigentlich Marva Elena, weil meine Schwester Elena heißt. Außerdem liebe ich kurze Namen. Omar, wie der Schauspieler Omar Sharif. Ein so schöner Mann. Und ich mag seine „Lara“ im Film „Doktor Schiwago“, gespielt von Julie Christie. Ich mag beide Namen sehr: Omar und Lara.
Machen Sie eine Mittagspause?
Ja, ich mache eine Mittagspause, weil ich nur drei Blocks von meinem Büro entfernt wohne. Ich gehe nach Hause und mache Siesta. Das ist ein Muss, weil ich nachts nur fünf Stunden schlafe. Ich esse zu Mittag, schlüpfe in meinen Hausanzug und schlafe eine Stunde.
In welchem Land würden Sie gerne leben?
Ich liebe Italien, es ist für mich das schönste Land auf der Welt. Und Mailand ist mein Lieblingsort. Die Stadt war sehr großzügig zu mir, der Frau aus Venezuela. Venezuela bleibt aber meine Heimat, die ich liebe. Ich hoffe, dass es ihr irgendwann wieder besser geht.
Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?
Sprudelwasser, Eier und Käse. Ich habe immer Mozzarella und Feta zu Hause, den griechischen, der einem Käse sehr ähnlich ist, den wir in Venezuela haben: Queso blanco. Und Ingwerbier, es ist alkoholfrei.
Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
Mein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand, es bringt mich von A nach B. Eigentlich mag ich Autos nicht, ich hasse Autofahren sogar. Mein Sohn will auch nicht, dass ich noch Auto fahre, aber ich tue es trotzdem. Aber nur tagsüber. Nachts fahre ich Taxi.
Was ist Ihr größtes Talent?
Das sollen andere beurteilen. Was ich sagen kann, ist, dass ich meine Arbeit und den Salone Satellite liebe. Ich bin sehr glücklich über das, was wir in bald 30 Jahren erreicht haben. Ich dachte, es würde irgendwann ruhiger werden. Aber jetzt bekomme ich viel mehr Bewerbungen, also mache ich weiter.
Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?
Ich versuche weiterhin, jungen Designern zu helfen. Auch wenn es aussichtslos scheint. Sie schreiben mir zum Beispiel aus Venezuela, dass sie nach Mailand kommen wollen. Was ich versuche, aber oft leider vergeblich.
Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?
Es gibt eine Person, die ich so gerne treffen wollte, aber es hat leider nie geklappt: Nelson Mandela.
Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?
Ich trage fast ausschließlich Einzelanfertigungen. Dieser Armreif ist von Bulgari und stammt noch von meinem Vater. Er besaß das Juweliergeschäft Joyería Griffin. Ich trage immer Schmuck, darunter viele Geschenke meines Sohns. Und immer eine Uhr. Jahrelang war ich in der Jury des Hublot-Design-Preises, deshalb habe ich eine ganze Sammlung von Hublot-Uhren. Für jeden Tag habe ich eine Swatch, für den Abend eine edle Uhr, die mit Diamanten besetzt ist.
Haben Sie einen Lieblingsduft?
Aromatics Elixir von Clinique.
Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?
Als Kinder sind wir oft in Miami gewesen, was ganz in der Nähe von Venezuela liegt. Aber wir mochten es damals nicht, weil dort so viele alte Menschen lebten, die aus den kalten Gegenden der Vereinigten Staaten in den Süden kamen. Das hat sich geändert, inzwischen bin ich gerne in Miami. Im Sommer bin ich über verlängerte Wochenenden oft mit Freunden auf Capri oder in Griechenland. Und im August und an Weihnachten bin ich stets nach Hause gefahren, zu meinen Eltern und meiner Großmutter. Auch daran habe ich wunderschöne Erinnerungen.
Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Ich bin Mitglied der Mailänder Scala und gehe regelmäßig zu den Philharmonie-Konzerten. Die schönsten Erinnerungen habe ich aber an die Osterfestspiele in Salzburg, die Herbert von Karajan gegründet hat. 23 Jahre war ich jedes Jahr dort, auch weil ich Karajans Frau Eliette sehr gut kannte.
Was fehlt Ihnen zum Glück?
Ich bin glücklich und danke Gott jeden Morgen für den neuen Tag. Ich bin vor allem dankbar, weil mein Sohn sehr krank war und es ihm nun wieder viel besser geht. Deshalb bin ich glücklich.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Zu Hause trinke ich nur ein halbes Glas Ingwerbier und dazu Mineralwasser mit Ingwer, weil ich Diabetes habe. Ich komme aus einer Familie mit Diabetikern. Deshalb muss ich sehr auf meinen Blutzucker achten. Ich trinke keinen Alkohol, keinen Wein. Nur manchmal bei einem besonderen Essen, wenn es Fleisch gibt, trinke ich ein halbes Glas Rotwein. Weißwein verursacht mir Kopfschmerzen. Deshalb lasse ich ihn weg. Ansonsten trinke ich höchstens einmal ein Glas Champagner.
