
An Martin Hagen machte Agnes Strack-Zimmermann einen Teil ihrer Begründung fest, warum sie auf dem FDP-Bundesparteitag in einer Kampfkandidatur gegen Wolfgang Kubicki antrat. Der Wunschkandidat Kubickis als FDP-Generalsekretär hatte in den sozialen Medien einen Beitrag weitergeleitet, in dem herabwürdigend über innerparteiliche Gegner Kubickis geschrieben worden war, allen voran über den nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Henning Höne, der ursprünglich gegen Kubicki hatte antreten wollen. Strack-Zimmermann nannte das „stillos“; sie setzte sich damit an die Spitze derer in der FDP, die eine „Krawallisierung“ durch das Duo Kubicki/Hagen befürchten.
Tatsächlich ist Hagen wie auch Kubicki entschlossen, die FDP durch mehr Zuspitzung und weniger Angst vor dem Zeitgeist wieder nach vorn zu bringen. „Die letzte Führung hat gezeigt, dass Konsensorientierung allein nicht ausreicht“, sagte er der F.A.Z. Den Vorwurf Strack-Zimmermanns weist er dennoch zurück: „Ich habe mit keinem Wort in dem Post die Julis oder Henning Höne angegriffen.“ Gegenüber der F.A.Z. führt er aus: „Einen Beitrag zu teilen, bedeutet ja nicht, dass man mit jedem einzelnen Wort einverstanden sein muss. Es können auch zehn richtige und ein einziger falscher Satz darin stehen, darf man ihn dann nicht teilen?“
Zweifel am Sinn der Brandmauer
Als politisches Vorbild nennt Hagen Guido Westerwelle. Er habe in ihm die Begeisterung für die liberale Idee geweckt, seinetwegen sei er 1998 noch als Schüler in die FDP eingetreten. „Westerwelle ist nie einem Konflikt ausgewichen, und er hat die Partei wieder zu einer Avantgarde gemacht.“ So sehe er jetzt auch seine Aufgabe: am inhaltlichen Profil der FDP zu arbeiten, den Liberalismus weiterzuentwickeln, aber auch die Partei für ein mögliches vorzeitiges Ende der Regierungskoalition in Berlin vorzubereiten. „Dann wollen wir gerüstet sein.“
In diesem Zusammenhang sind vermutlich auch Hagens Zweifel an der „Brandmauer“ gegen die AfD zu sehen. Kurz vor dem Parteitag nannte er sie einen „Popanz“. Zwar wolle er nicht mit der Partei zusammenarbeiten, habe aber nichts gegen gemeinsame Mehrheiten. „Wir sollten unser Abstimmungsverhalten nicht davon abhängig machen, was die AfD tut.“ Auch damit weckte Hagen wohl Befürchtungen innerhalb seiner Partei, die er in seiner Bewerbungsrede erst einmal wieder einfangen musste. Das magere Wahlergebnis von 58 Prozent zeigt, dass er da noch viel zu tun hat.
Unabhängigen Geist zeigte der 44 Jahre alte Strategie- und Kommunikationsberater und verheiratete Vater zweier Kinder schon in seiner Jugend in Rosenheim. „In Bayern nicht in die CSU einzutreten, grenzte ein wenig ans Revolutionäre“, sagt Hagen. In München studierte er Wirtschaftsgeschichte, Psychologie und Politologie, in der bayerischen FDP war er zwischen 2018 und 2025 Partei- und Fraktionsvorsitzender im Landtag. Seit 2024 ist er Geschäftsführer der Denkfabrik „Republik21“.
