
Donald Trump meldete sich während des Indienbesuchs seines Außenministers Marco Rubio per Telefon zu Wort. Es habe nie ein engeres Verhältnis zu Indien gegeben, sagte er. „Ich liebe Indien“, so der US-Präsident, der aus Anlass einer Feier zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit in Neu Delhi anrief, an der auch Rubio teilnahm. So wie es sein Chef vormachte, wollte auch der Außenminister mögliche Zweifel an der Wertschätzung Amerikas für das südasiatische Land aus dem Weg räumen. Auf einer Pressekonferenz mit Außenminister Subrahmanyam Jaishankar bezeichnete er Indien als „einen der wichtigsten strategischen Partner in der Welt“.
Die Freundschaftsbeteuerungen erschienen nicht nur notwendig, weil die Beziehungen infolge von Trumps Zollpolitik im vergangenen Jahr auf einen Tiefpunkt gesunken waren, sondern noch mehr, weil das jüngste Treffen Trumps mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in Indien für Verunsicherung gesorgt hatte. Einige asiatische Länder fürchten, dass sich die USA aus dem indopazifischen Raum zurückziehen und das Feld zunehmend China überlassen könnten. Rubio versuchte, diese Bedenken aus dem Weg zu räumen: Er sei der Ansicht, dass Amerikas Beziehungen „zu irgendeinem Land der Welt“ nicht auf Kosten des strategischen Bündnisses mit Indien gingen.
Auch der Irankrieg steht im Fokus
Dabei steht bei Rubios viertägigem Besuch neben Handel, Energie und Seltenen Erden natürlich auch der Irankrieg im Fokus. Indien ist von den Folgen besonders hart getroffen, das Land bekam bisher rund die Hälfte seiner Rohöl- und mehr als 80 Prozent seiner Flüssiggasimporte über die Straße von Hormus. Die Versenkung eines iranischen Militärschiffs durch die Amerikaner unweit der indischen Territorialgewässer war in Neu Delhi als Affront gewertet worden.
Bevor er diese Themen am Samstag mit Ministerpräsident Narendra Modi und am Sonntag mit Jaishankar besprach, hatte Rubio in Kolkata den einstigen Wirkungsort Mutter Teresas besucht. Am Montag besichtigte er den Taj Mahal im nordindischen Agra.
Quad gilt als Antwort auf Chinas Machtgebaren im Indopazifik
Der wichtigste Termin des viertägigen Besuchs dürfte jedoch das Treffen der Außenminister der USA, Indiens, Japans und Australiens an diesem Dienstag sein. Der Quad genannte Sicherheitsdialog der vier Länder soll wiederbelebt werden. Die Quad gilt als Antwort der Mitgliedsländer auf das Machtgebaren Chinas in der Region.
Doch wie Fachleute feststellten, wird sie in Trumps zweiter Amtszeit in seinen Reden und den Strategiepapieren Washingtons kaum noch erwähnt. Ein geplantes Gipfeltreffen der vier Regierungschefs war Berichten zufolge im vergangenen Jahr aufgrund der Spannungen zwischen den USA und Indien nicht zustande gekommen. Das Treffen in Neu Delhi soll nun den Eindruck zerstreuen, dass Trump das Interesse an dem Sicherheitsdialog verloren habe.
Wiederholt wies Rubio auf seiner Reise deshalb darauf hin, dass er sich schon unmittelbar nach Amtseinführung in Washington für seinen ersten Termin einst ebenfalls mit den Außenministern der Quad getroffen habe. Offiziell drehen sich die Gespräche am Dienstag in Neu Delhi um die maritime Sicherheit, kritische Mineralien und sichere Lieferketten.
Trumps Rhetorik wird genau wahrgenommen
Es wird aber allgemein erwartet, dass Rubio seine Gesprächspartner über die Ergebnisse des Gipfels in Peking informieren wird. Die Regierungen in Neu Delhi, Canberra und Tokio haben Trumps Rhetorik vor und nach dem Treffen genau wahrgenommen. Unter anderem hatte der US-Präsident die Idee einer „G 2“ aus den USA und China wiederbelebt und die Lieferung militärischer Güter an Taiwan zur „Verhandlungsmasse“ mit China erklärt.
Rubios Indienbesuch dient über die geopolitischen Fragen hinaus in erster Linie der Schadensbegrenzung. Washington hatte im vergangenen Jahr indische Waren mit 25 Prozent Zoll belegt und weitere 25 Prozent als Strafe wegen der Käufe russischen Öls verhängt. Die Beziehungen haben sich seit Jahresbeginn verbessert, im Februar hatte Washington den Zoll auf indische Waren auf 18 Prozent gesenkt und die Strafe für den Kauf russischen Öls gestrichen. Im März erlaubten die USA indischen Raffinerien eine Ausnahmeregelung zum Kauf russischen Rohöls. Dem Außenminister zufolge könnte das lang erwartete amerikanisch-indische Handelsabkommen in den kommenden Wochen unterzeichnet werden.
In Indien glauben trotzdem wenige, dass sich das Vertrauen in die USA komplett wiederherstellen lässt. Indien hat sich den Umständen bereits angepasst und ebenfalls seine Beziehungen zu China verbessert. Das Land sucht Fachleuten zufolge nicht nach Allianzen mit einzelnen Akteuren, sondern gute Beziehungen zu praktisch allen Groß- und Mittelmächten. Dazu gehört, dass sich vor Kurzem auch die Außenminister der BRICS-Gruppe in Neu Delhi getroffen haben, die unter chinesischer und russischer Führung einen antiwestlichen Kurs verfolgt. Dass sich die Quad und die BRICS so kurz hintereinander in Neu Delhi treffen, ist Beobachtern zufolge durchaus beabsichtigt. Damit signalisiere Indien die Bandbreite seiner Handlungsoptionen.
