
Bereits beim Aufwärmen hatten die Fans der Königsblauen ihren ehemaligen Liebling mit Schmähgesängen und Pfiffen bedacht. Es sei, fügte er nach dem enttäuschenden 0:0 beim aufmüpfigen Aufsteiger tapfer an, „immer schön, hierhin zurückzukehren. Ich habe 20 Jahre für diesen Verein gespielt. Meine ganze Familie war da. Es war trotzdem ein sehr emotionaler Moment für mich, etwas ganz Besonderes“.
Der Münchner Sportvorstand Max Eberl konnte die teils abfälligen Reaktionen der Schalker Fans allerdings gar nicht verstehen. „Sie sollten stolz sein, dass sie so einen großartigen Jungen in ihrer Knappenschmiede ausgebildet haben, der dann eben Schritte in den Weltfußball getan hat, Welttorhüter geworden ist, Weltmeister geworden ist. Da gehören sich diese Kraftausdrücke nicht“, schimpfte Eberl und fügte an: „Man kann pfeifen, weil man gegen Bayern ist, weil man das Spiel für Schalke ziehen möchte, aber diese Ausdrücke brauchen sie nicht.“
2011 war Neuer zum deutschen Rekordmeister gewechselt und hatte dort in den vergangenen 15 Jahren alles gewonnen. Doch immer wieder unterstrich der Weltmeister von 2014 auch seine spezielle Beziehung zum FC Schalke 04. Deshalb hatte vor Anpfiff auch Schalke-Legende Olaf Thon gehofft, „dass er nicht ausgebuht wird, sondern dass man seine Leistung als weltbester Torwart respektiert und akzeptiert“. Weit gefehlt.
Doch Neuer ließ sich nach der Partie nichts anmerken. Nur eines störte den Bayern-Keeper dann doch: „Leider konnten wir unsere wenigen Großchancen nicht nutzen. Ein Sieg hätte sehr gutgetan. Loris Karius hat ein herausragendes Spiel gemacht und wurde zu Recht zum Spieler des Spiels gewählt.“
Nun seien die Münchner gefordert, „in der Champions League eine Reaktion zu zeigen und einen Sieg einzufahren“. Am Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) geht es zum Start der Gruppenphase gegen FK Bodø/Glimt. „Danach reisen wir nach Elversberg, wo ebenfalls ein schweres Auswärtsspiel auf uns wartet.“ Der Aufsteiger in der Bundesliga gewann beide Saisonspiele – anders als die Münchner.
Für den 40 Jahre alten Neuer wird es der „sehr wahrscheinlich“ letzte Auftritt auf Schalke gewesen sein. „Ich habe in den vergangenen Wochen schon öfter über meine Zukunft gesprochen“, sagte Neuer. Er rechne „nicht damit, dass ich in der Veltins-Arena noch einmal auflaufen werde“.
