DIE ZEIT: Herr Professor, Sie haben einen weiten Weg hinter sich. Sie sind ein weltweit gefeierter Dirigent; aufgewachsen sind Sie in einem Dorf in den Bergen, zusammen mit acht Geschwistern. War das so idyllisch, wie es klingt?
Manfred Honeck: Es war ein sehr einfaches Leben. Mein Vater war Briefträger, wir hatten kein Geld – aber niemand, den wir kannten, hatte Geld, für uns Kinder war es also normal. Wir sind barfuß in den Wäldern herumgesprungen, die Kleidung haben wir von den älteren Geschwistern aufgetragen. Zu Mittag haben wir Riebel, gebratenen Gries, aus einem Topf in der Mitte des Tischs gelöffelt. Wien war weit weg, man hat auch nicht immer nur gut über die Hauptstadt gesprochen.
