Es war 7.38 Uhr am Montagmorgen, als der 18,23 Meter lange Rumpf der „Malizia 4“ im Hafen von Lorient an der französischen Westküste erstmals das Wasser berührte. Nicht viel später formuliert Boris Herrmann eine erste deutliche Ansage, was er mit seiner neuen Yacht erreichen will: „Mein Ziel ist es, mit diesem Boot das Ocean Race zu gewinnen und eine großartige Vendée Globe zu segeln“.
„Gebaut, um zu gewinnen!“: Unter diesem Motto steht die Kampagne des 45 Jahre alte Hochseeseglers und seiner Malizia-Crew. Zwei Jahre waren mehr als 150 Menschen an dem viele Millionen Euro teuren Projekt beteiligt. Etwa 85.000 Arbeitsstunden hat es gedauert, bis „Malizia 4“ – von der es zwei baugleiche Schwesterschiffe gibt, weil sich das Team Malizia bei der Entwicklung mit den Teams TR Racing und Banque Populaire zusammengeschlossen hatte – bereit war, um erstmals aus dem Hangar gefahren zu werden. „Heute ist für uns alle ein sehr emotionaler Tag. Sie jetzt endlich im Wasser zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Ich bin unglaublich stolz auf das Team“, sagt Herrmann.

Die neue Malizia-Yacht ist nun deutlich schmaler und mit einem flacheren Rumpf ausgestattet als ihre Vorgängerin. Dazu wurde die Rumpfunterseite mit einer Art Klinge ausgestattet und die tragflächenähnlichen Foils, auf denen „Malizia 4“ über die Wellen fliegen soll, neu konzipiert. Auch das Cockpit hat sich deutlich verkleinert, um zwei seitliche Steuerstände zu schaffen, die eine häufigere manuelle Steuerung ermöglichen sollen.

Das Hauptziel der neuen Konstruktion: Unter allen Bedingungen schneller sein als die vor allem bei leichtem Wind eher behäbig wirkende „Malizia 3“. Mit jener für damalige Verhältnisse revolutionär designten Yacht hatten Herrmann und seine Crew jeweils einen dritten und einen vierten Platz beim Ocean Race 2023 und beim Ocean Race Europe 2025 erreicht. Dazu wurde Herrmann bei der nonstop um die Welt führenden Solo-Regatte Vendée Globe 2024 nur Zwölfter.

So ambitioniert wie die Ziele, die der Hamburger mit „Malizia 4“ erreichen will, ist auch der Zeitplan: Vor den ersten Trainingsfahrten stehen noch die Montage des neuen Imoca-Einheitsmastes sowie zahlreiche Tests an. Im August segelt die „Malizia 4“ nach New York, um im September am Ocean Race Atlantic von Nordamerika zurück nach Europa teilzunehmen. Ende des Jahres startet Herrmann bei der Solo-Regatta Route du Rhum, bevor im Januar 2027 das mehrere Monate dauernde und die Teams in Etappen einmal um die Welt führende Ocean Race startet.
Im Anschluss bereiten sich Herrmann und seine Crew vollends auf dessen dritte Teilnahme an der Vendée Globe vor, die im November 2028 startet und der Höhepunkt seiner Karriere werden könnte. Aussichten, die den Familienvater schon jetzt ungeduldig werden lassen. „Ein Boot ist nicht nur eine Maschine, sondern auch etwas, zu dem man eine emotionale Beziehung aufbaut“, sagt Herrmann. Er spüre das auch beim Rest seiner Crew. „Alle brennen darauf, endlich aufs Wasser zu gehen.“
