Wir sind Weltmeister. Wir Frankfurter. Denn unsere Stadt hat am Samstagabend die größte Illusionsshow der Welt ausgerichtet. Wir meinen nicht die Fußball-Weltmeisterschaft, die leicht als Desillusionsshow enden könnte. Zumindest für die Deutschen. Wir sprechen von der Zaubershow der Ehrlich Brothers, die 41.326 Zuschauer ins Frankfurter Waldstadion gelockt hat. Das ist neuer Weltrekord in der Welt der Magie. Und alle Besucher dürften nach mehr als drei Stunden Spannung, Überraschung, Herzschmerz und Witz hochzufrieden wieder nach Haus gegangen sein. Nicht nur nach Frankfurt, sondern in viele andere Städte und Dörfer der Republik. Denn Andreas und Chris Ehrlich haben Fans in ganz Deutschland und darüber hinaus in zahlreichen europäischen Nachbarländern und sogar in Amerika.
Vergangenes Jahr haben sie eine Tournee durch die Vereinigten Staaten gewagt – und hatten sogar in der Hauptstadt der Illusionen, in Las Vegas, ein volles Haus und begeisterte Besucher. Ob die Ehrlich Brothers die Weltmeister der Magie sind? Schwer zu sagen, denn da ist ja noch der große David Copperfield. Aber das Wasser können die Brüder diesem berühmten Großmagier auf jeden Fall reichen. Zum Beispiel mit ihrem aufwendigen Teleportations-Trick, bei dem sie auf einem Luftkissenboot längs durchs Stadion fliegen. Zumindest scheinbar. Auf jeden Fall saßen sie anfangs in diesem Boot am Start und standen Sekunden später am anderen Ende der Arena jubelnd auf einem Podest.
Wie sie das gemacht haben? Das sollte man sich lieber nicht fragen, denn als Laie kommt man zu keiner Antwort. Man weiß nur, dass diese blitzartige Ortsveränderung kein übersinnliches Ereignis gewesen ist, sondern ein Trick. Denn die Ehrlich Brothers geben nicht vor, geheimnisvollen Hokuspokus zu veranstalten. Sie lassen das Publikum immer wissen, dass hinter den Illusionen technische Kniffs stecken.
Ihre aktuelle Show „No Limits“ lebt aber nicht nur von Zauberei, sondern auch vom Humor der Brüder und von ihrem Charme. Beide können sie die Zuschauer um den Finger wickeln, was im Falle ihres Handtricks, den sie die Besucher nachmachen lassen, ganz wörtlich gemeint ist. Am Ende klären sie die Leute auf – und auf einmal haben alle eine Ahnung davon, wie Zauberei funktioniert. Sogar die Kinder. Ein neunjähriges Mädchen aus dem Publikum, aufgesucht von Andreas, führt den Trick noch einmal vor der Kamera vor.
Das Miteinbeziehen der Zuschauer ist eine der Stärken der Ehrlich Brothers. Sie holen nach dem Zufallsprinzip Leute auf die Bühne, stecken sie in einen Glaskasten und – Abrakadabra – finden diese sich wieder in einem zweiten Glaskasten daneben. Ein anderes Plus ihrer Show ist die Selbstironie, wobei der Dumme meistens der jüngere Bruder Chris ist. Dazu kommen noch tiefe Emotionen aufseiten des Publikums wie der beiden Akteure, ausgelöst durch Bilder des verstorbenen Vaters und Erzählungen über ihre gemeinsame Arbeit an neuen Tricks. Und wenn die Ehrlichs dann noch ihre Mutter in der ersten Reihe umarmen, geht einem das Herz vor Rührung auf. Kurzum: Die Brüder sind nicht nur gute Illusionisten, sondern auch gute Entertainer. Hinter denen ein riesiger technischer Apparat steht, eine Crew von gut 150 Mitarbeitern und unendlich viel Gerätschaft.

Davon bemerkt der Zuschauer aber kaum etwas. Selbst wenn sie ihren altbekannten Monstertruck auf die Bühne zaubern, schaut man vor allem auf Andreas, der im Führerhaus sitzt und das Gerät steuert. Trotz des riesigen Aufwandes, der noch durch die 20 Kamerateams des Fernsehsenders RTL, der die Vorstellung aufzeichnet, gesteigert wird, stehen die Brüder als Kumpel und Menschen im Mittelpunkt. Ihnen ist es in den vergangenen zwei Jahrzehnten gelungen, diese gewaltige Unterhaltungsmaschine aufzubauen. Als No Names haben sie einst angefangen und mit Krediten auf eigenes Risiko ihre erste Tournee produziert. Heute sind sie Megastars in ihrem Genre, erfinden aber immer noch die meisten ihrer Tricks selbst in ihren Werkstätten.
Ihre schönste Illusion zeigen die Ehrlich Brothers ganz zuletzt. Sie fliegen wie Schmetterlinge über der Bühne, sinken nach unten, schwingen sich wieder elegant nach oben. Wie sie das machen, kann man nicht begreifen. Egal. Aus dem Auditorium sieht man nur staunend einem realen Märchen zu.
