In seinem 75. Jubiläumsjahr kommt es zu einem Wechsel an der Spitze von Krones. Den größten Hersteller von Getränkeabfüllanlagen in der Welt wird vom kommenden Donnerstag an Thomas Ricker als Vorstandsvorsitzender führen. Einen Tag zuvor ist der letzte Arbeitstag als Vorstandschef für Christoph Klenk, der den Posten seit elf Jahren innehatte und auf eine erfolgreiche Entwicklung des in Neutraubling bei Regensburg ansässigen Unternehmens zurückblicken kann.
Die Krones AG wurde 1951 von Hermann Kronseder gegründet, dessen Familie weiterhin mit knapp 52 Prozent das Unternehmen kontrolliert. In den vergangenen Jahren hat Krones regelmäßig Rekorde bei Umsatz und Gewinn erzielt. Wer ein Getränk aus einer Glasflasche, PET-Flasche oder Dose trinkt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Behälter getrunken, der in einer Krones-Anlage abgefüllt worden ist.
„Kontinuität und Umsetzung“
Viel ändern muss der 58 Jahre alte Ricker nicht, wenn er am 11. Juni als Vorstandsvorsitzender antritt. „Ich bin ein anderer Typ Mensch als mein Vorgänger Christoph Klenk“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. „Doch wir haben seit vielen Jahren im Vorstand mit unseren Kolleginnen und Kollegen gut zusammengearbeitet“, fügt er hinzu. Gemeinsam sei die Strategie entwickelt worden, die nun in herausfordernden Zeiten umgesetzt werden müsse. „Es geht um Kontinuität und Umsetzung“, betont Ricker.
Er und Klenk haben beide vor über 30 Jahren bei Krones ihre Karriere gestartet. Seit dem Jahr 2012 gehört Ricker dem Vorstand an. Klenk war 23 Jahre lang Mitglied des Führungsgremiums. Am kommenden Dienstag hat der 62 Jahre alte Klenk noch die Gelegenheit, sich auf der Hauptversammlung in Regensburg von den Aktionären zu verabschieden. Diesen wird der Abschied mit einer um 0,20 auf 2,80 Euro je Aktie erhöhten Dividende versüßt. Zudem zeigt sich der Maschinenbauer bezüglich der weiteren Entwicklung zuversichtlich, obwohl das geopolitische Umfeld und die Konjunktur derzeit etwas für Gegenwind sorgen.
Der Vorstand erwartet in diesem Jahr ein um Wechselkurseffekte bereinigtes Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent und eine Gewinnmarge vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (Ebitda) von 10,7 bis 11,1 Prozent. Der schwache Dollar bremst das Unternehmen. Denn einschließlich der Wechselkurseffekte sank der Umsatz im ersten Quartal um zwei Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Für Zuversicht sorgt der in den ersten drei Monaten um gut fünf Prozent auf rund 1,5 Milliarden gestiegene Auftragseingang. Aufgrund des im Vergleich zum Umsatz höheren Auftragseingangs erwartet der Vorstand eine Beschleunigung des Wachstums bis zum Jahresende.
„Wir tun alles dafür, unsere Marktposition zu halten“
Als Vorstandsvorsitzender will Ricker, der weiterhin für den von ihm bislang geleiteten Vertrieb verantwortlich sein wird, die positive Entwicklung des Unternehmens fortsetzen. „Dazu müssen unser Set-up in der Welt weiterhin abgesichert, die finanziellen Ziele erreicht und die Marktposition ausgebaut werden.“ Krones sei mit seinen Standorten international sehr breit aufgestellt. „Jedoch müssen wir darauf achten, dass wir in Zeiten mit Handelshemmnissen und Zöllen unsere weltweiten Kunden weiterhin gut beliefern können“, sagt er.

Es gehe hier um keine Produktionsverlagerung. Krones werde weiterhin auf der starken Zentrale in Deutschland aufbauen. Doch an Standorten mit viel lokalem Geschäft wie zum Beispiel in Indien oder China wolle das Unternehmen über lokale Produktion sein Wachstum gestalten. „Wir tun alles dafür, unsere Marktposition zu halten, doch wir spüren die starke Konkurrenz, insbesondere aus China.“ Vor dem Wettbewerb schützt Krones nach den Worten Rickers „die Gesamteffizienz unserer Lösungen sowie die gute Performance in Verbindung mit unserer weltweiten Präsenz“. Das sei für die Kunden ein entscheidendes Kaufargument.
Klare Ausrichtung dank der Familie
Dass die Familie Kronseder Ankeraktionär ist, betrachtet er als großen Vorteil. „Denn damit haben wir eine klare Ausrichtung auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung.“ Auch Krones ist seiner Meinung nach dem Druck des Kapitalmarkts ausgesetzt, aber die nachhaltige Entwicklung und nicht die kurzfristige Gewinnabschöpfung stehe im Vordergrund. Unter einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung versteht er ein dauerhaft stabiles und profitables Geschäft.
Mit dem Aktienkurs kann weder der Vorstand noch die Familie Kronseder zufrieden sein. Er ist seit Jahresanfang um mehr als 16 Prozent gefallen, während der M-Dax, dem die Krones-Aktie angehört, um sechs Prozent zugelegt hat. „Der Aktienkurs ist für uns eine wichtige Referenz, weil er den Wert des Unternehmens widerspiegelt“, sagt Ricker und schiebt hinterher: „Doch können wir die Kursentwicklung nicht immer nachvollziehen.“ Stattdessen will sich der Krones-Vorstand seinen Worten zufolge darauf konzentrieren, die prognostizierten Ziele zu erreichen.
Dazu zählt er den Umsatz, der bis zum Jahr 2028 die Größenordnung von sieben Milliarden Euro erreichen soll. Die operative Gewinnmarge (vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern; Ebitda) will Ricker bis dahin auf elf bis 13 Prozent verbessern. Als größte Herausforderung sieht der neue Krones-Chef die geopolitische Lage. Ein weiteres großes Thema sei der aufstrebende Wettbewerb aus China mit seinen Globalisierungszielen. „Den Irankrieg spüren wir vor allem über die höheren Energie- und Materialkosten.“ In der Region sei das Geschäft aber auf einem stabilen Niveau. Dort sei man mit solchen Situationen vertrauter.
Ricker berichtet von einem guten Start in das neue Jahr. „Das zweite Quartal wird unseren Erwartungen entsprechen. Der Auftragseingang ist weiterhin im Plan“, sagt er. „Ich setze stark auf den Standort Deutschland, jedoch müssen hier die Hausaufgaben gemacht werden“, richtet er sich an die Bundesregierung in Berlin. Es gelte, wichtige Reformen umzusetzen. Steuerrechtliche Themen müssten angegangen, der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet und die Kosten der ausufernden Bürokratie deutlich gedrückt werden.
