
Der Hersteller der traditionellen „Black Cabs“ befindet sich seit Jahren in der Krise. Seit der Nachkriegszeit gehören die schwarzen Taxis zum Londoner Stadtbild wie Big Ben und das Parlament. Doch es fahren immer weniger auf den Straßen der britischen Hauptstadt. Innerhalb eines Jahrzehnts fiel ihre Zahl um etwa ein Drittel. Die Konkurrenz durch Uber und schwierige wirtschaftliche Umstände drängten sie in die Defensive. Der Black-Cabs-Hersteller London EV Company (LEVC), der zum chinesischen Geely-Konzern gehört, macht hohe Verluste. Es gab Spekulationen, ob das Werk in Coventry noch lange durchhalten könne.
Diese Woche kündigte LEVC eine neue Generation von Black Cabs an, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. Das neue vollelektrische Modell mit größerer Reichweite wird Nachfolger des elektrischen TX-Modells von 2018. Davon wurden 12.000 Exemplare verkauft. LEVC-Vorstandschef Tony Chi sagte, das schwarze Taxi bleibe „eines der vertrauenswürdigsten und bekanntesten Verkehrsmittel der Welt“. Die Ankündigung des neuen Modells markiere „einen wichtigen Meilenstein“. Das nächste Kapitel der Unternehmensgeschichte sei bereits im Gange.
Diese Geschichte war allerdings in den letzten Jahren sehr holprig verlaufen. Die London Taxi Company, der Vorgänger von LEVC, ging 2012 insolvent. Danach übernahm Geely das Unternehmen zu einem kolportierten Preis von nur elf Millionen Pfund. Dem Konzern aus Hangzhou gehören in Europa weitere Automarken, allen voran Volvo, Polestar und die kleine britische Sportwagenschmiede Lotus.
In vier Jahren eine halbe Milliarde Pfund Verluste
Geely hat in den Black-Cab-Hersteller LEVC im vergangenen Jahrzehnt mehr als eine Milliarde Pfund (1,2 Milliarden Euro) investiert. Allerdings lief es schlecht. Im vergangenen Geschäftsjahr verkaufte LEVC nur noch 725 Taxis, verglichen mit 1272 im Vorjahr ein Minus von mehr als 40 Prozent. Zum Nachfragerückgang trägt bei, dass es immer weniger Nachwuchs von Black-Cab-Fahrern gibt. Ihre Zahl fiel von mehr als 20.500 im Jahr 2019 auf rund 16.000 Ende 2025. Als Gründe für die Flaute nennt LEVC die Inflation, die höheren Zinsen, die schwache Wirtschaftsentwicklung und die Abschaffung von Steuervergünstigungen für E-Fahrzeuge. Ein wesentlicher Grund ist aber auch die Konkurrenz durch neue Taxidienstleister. Auf Uber und Bolt bieten in London rund 100.000 Fahrer ihre Dienste an. Und sie sind deutlich günstiger.
Der Hersteller der traditionellen Black Cabs machte 2025 nur noch 66 Millionen Pfund Umsatz, ein Rückgang um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Alarmierend sind die hohen Verluste: LEVC beendete 2025 mit einem Fehlbetrag von 62 Millionen Pfund. In den vergangenen vier Jahren haben sich die Verluste auf fast eine halbe Milliarde Pfund summiert. Mehrfach musste der chinesische Eigentümer LEVC mit Finanzspritzen über Wasser halten. Im vergangenen Jahr stellte Geely 90 Millionen Pfund bereit, mit denen Bankkredite abgelöst wurden.
