Es gebe einen umfassenden Plan für Gegenschläge, zitierte Tasnim einen ranghohen iranischen Sicherheitsbeamten. Irans Militär habe bereits zuvor demonstriert, dass es die Fähigkeit und die Entschlossenheit für Gegenangriffe habe. Die Berichten zufolge geplanten amerikanisch-israelischen Angriffe auch auf Infrastrukturziele im Iran seien ein Akt des Wahnsinns.
Teheran hat seit Kriegsbeginn Ende Februar als Reaktion auf US-Angriffe immer wieder mit Raketen und Drohnen Ziele in den Golfstaaten angegriffen, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden. Dabei wurden vereinzelt auch wichtige Energieeinrichtungen getroffen, etwa Katars Anlagen zur Herstellung und Verschiffung von Flüssiggas oder Ölanlagen in Kuwait. Die Luftabwehr der Golfstaaten konnte bislang viele ballistische Raketen von Iran abschießen – zuletzt wuchs aber die Sorge, dass die Vorräte an Luftabwehrraketen insbesondere für das Patriot-System zur Neige gehen könnten. Auch die US-Bestände sind Medienberichten zufolge inzwischen deutlich geschrumpft.
Sollten Iran neue Schläge auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten gelingen, dürften die Weltmarkpreise für Öl und Gas weiter steigen, was Teheran als Druckmittel gegen Trump nutzt. Dessen Republikaner müssen sich in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress den Wählern stellen.
Zudem kontrolliert Iran auch weiterhin die Straße von Hormus, die normalerweise eine wichtige Route für den Export von Öl und Flüssiggas aus den Golfstaaten ist. Das US-Militär hat inzwischen als Druckmittel seine Seeblockade erneuert, um wiederum Iran von Einnahmen aus dem Export von Rohöl abzuschneiden.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, auch Angriffe auf Irans zivile und wirtschaftliche Infrastruktur dürften die Machthaber in Teheran nicht zum Einlenken bewegen. Mit Blick auf mögliche Gegenangriffe auf Ziele in den Golfstaaten schrieb er weiter: „Iran wird sicherlich heftige wirtschaftliche Schäden erleiden, aber es ist genauso wahrscheinlich, dass der Iran im Gegenzug die Kosten für seine Gegner erhöhen wird.”
Auch werde Iran als Druckmittel die Straße von Hormus weiter kontrollieren und über seine Verbündeten im Jemen, die Huthi-Miliz, den Druck auf die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang des Roten Meeres verstärken. „Es gibt keine militärische Wunderwaffe für die Herausforderung, die der Iran darstellt“, schrieb Citrinowicz.
Trump hatte zu Beginn des Kriegs gesagt, der Konflikt werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen geht der Konflikt in den sechsten Monat und eine Lösung scheint so wenig in Sicht wie fallende Öl- und Gaspreise.
Bei einer Kabinettsitzung auf dem Landsitz Camp David am Freitag sprach Trump bereits von weiteren Angriffen auf Iran. „Wir werden sie sehr hart treffen“, sagte er, ohne einen zeitlichen Rahmen dafür zu nennen. „Wissen Sie, irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können.“ Iran hätte nach den bisherigen Angriffen noch etwas militärische Kapazitäten, bald jedoch nicht mehr, sagte Trump.
Mit Blick auf diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Kriegs gab Trump sich frustriert. Die Iraner hielten sich oft nicht an das Verabredete und würden Gesprächsinhalte öffentlich falsch darstellen, kritisierte er erneut. „Alles, was sie tun, ist, mich wütend zu machen.”
Seit Wochen sind bei den Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran zumindest öffentlich keine Fortschritte zu erkennen. Ein im Juni abgeschlossenes Rahmenabkommen der Kriegsparteien sorgte nicht lange für eine Feuerpause. Die US-Regierung will unter anderem eine Wiederöffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt erreichen und sicherstellen, dass der Iran keine Atombomben herstellen kann.