Die Berliner Putzfrau Leonora Bloch macht einen grausigen Fund: Ihr Arbeitgeber Dr. Bronstett, Geschäftsführer eines legendären Berliner Kaufhauses, ist in seinem Haus ermordet worden, seine Leiche wurde verstümmelt. Als gewissenhafte Reinigungskraft säubert sie den Tatort und macht sich so verdächtig im neuen Roman «Die Auster» von Yael Inokai.
Doch Leonora recherchiert eigenmächtig. Die Spur führt in das Umfeld des Edelkaufhauses, in dem sie selbst vor langer Zeit tätig war. Sie stößt nicht nur auf so manche Merkwürdigkeiten, sondern wird auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.
Soziale Kontraste prallen aufeinander
Wer bei der Lektüre von «Die Auster» einen klassischen Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Dazu ist die Handlung nicht stringent genug. Zeitweilig hat man sogar das Gefühl, dass die Schweizer Autorin die Tätersuche etwas aus den Augen verliert, auch ist die Auflösung nicht besonders plausibel.
Das Buch ist aber ein scharf gezeichnetes Gesellschaftsporträt, in dem die sozialen Kontraste hart aufeinanderprallen: Hier die Lebenswelt einer in prekären Verhältnissen lebenden Putzfrau, dort das Milieu einer wohlhabenden, im Luxuskaufhaus konsumierenden Schicht. Inokais Hauptfigur überzeugt in ihrer herben Zurückhaltung vor dem Hintergrund einer unwirtlichen Stadt, des unterkühlten winterlichen Berlin.
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