Die israelische Armee hat eine Ausweitung ihres Bodeneinsatzes im Libanon auf weitere Gebiete gemeldet. Die Streitkräfte teilten am Sonntag mit, dass die Offensive zur Erweiterung einer »vorgeschobenen Verteidigungslinie« ausgedehnt werde. Zudem hätten israelische Soldaten den Fluss Litani überquert, der rund 30 Kilometer nördlich der gemeinsamen Grenze verläuft. Bewohner südlich des Zahrani-Flusses im Süden des Libanon rief die israelische Armee angesichts möglicher Angriffe zur Evakuierung auf.
Im Südlibanon hat die israelische Armee die strategisch wichtige, rund 900 Jahre alte
Festung Beaufort und die umliegende Hügelkette eingenommen. Dies
teilte das Militär mit. Es handele sich trotz einer
vor mehr als sechs Wochen vereinbarten Waffenruhe um einen
bedeutenden Vorstoß gegen die vom Iran unterstützte
Hisbollah-Miliz.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte bereits am Freitag erklärt, dass die israelischen Streitkräfte den Litani überschritten hätten. Die Armee teilte nun mit, dass sie »vor einigen Tagen« einen Einsatz in der Gegend des Beaufort-Kamms und des Wadi al-Saluki im Süden des Libanon begonnen habe. Ziel sei es, »direkte Bedrohungen« für Orte im Norden Israels und die Stadt Metula zu beseitigen und die operative Kontrolle im Südlibanon zu stärken.
Libanons Regierungschef wirft Israel »gefährliche Eskalation« vor
Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam kritisierte die anhaltenden israelischen Angriffe auf Ziele im Südlibanon scharf. »Angesichts der gefährlichen und beispiellosen israelischen Eskalation in den vergangenen Tagen ist es notwendig, die politischen und diplomatischen Bemühungen zu verstärken, um eine rasche und echte Waffenruhe zu erreichen«, sagte er am Samstag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.
Salam warf Israel vor, eine Strategie »der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe« zu betreiben, indem die Armee Städte und Dörfer zerstöre und ihre Bewohner zur Flucht zwinge. Diese Strategie werde Israel »weder Sicherheit noch Stabilität« bringen, sagte Salam. Zugleich verteidigte er die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den »am wenigsten kostspieligen Weg« für den Libanon. Eine neue Gesprächsrunde ist für den 2. und 3. Juni in Washington geplant.
Angriffe trotz Waffenruhe
Trotz der seit dem 17. April geltenden Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon liefern sich Israel und die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz weiterhin Gefechte. Sowohl Israel als auch die Hisbollah werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Vereinbarung vor und rechtfertigen ihre Angriffe mit mutmaßlichen Verstößen der Gegenseite.
Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt sowohl die direkten Gespräche zwischen der libanesischen Regierung und Israel als auch die Waffenruhe der beiden Seiten ab. Die libanesische Regierung ist keine aktive Kriegspartei und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah.
Nachdem Israel und die USA im Februar den Iran angegriffen hatten, stellte sich die Hisbollah Anfang März an die Seite ihrer iranischen Schutzmacht und attackierte Israel. Israel reagierte mit Gegenschlägen und startete die Bodenoffensive im Südlibanon. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden seit Beginn der Kämpfe im Libanon 3371 Menschen durch israelische Angriffe getötet. Mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben.
