Card Culture am Roßmarkt
Früher sammelte man aus Spaß, inzwischen hat sich rund um Sticker und Sammelkarten aus Sport und Unterhaltung ein milliardenschwerer Markt entwickelt, bei dem Experten davon ausgehen, dass er weiter wachsen wird. Auch die Fußball-WM 2026 dürfte den Boom anheizen. Dazu passt ein neues Konzept am Frankfurter Roßmarkt, Card Culture, hinter dem der siebenfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton mit seinen unternehmerischen Aktivitäten (Lewis Hamilton Ventures) steht, wie die Master Immobiliengesellschaft mbH berichtet. Das Frankfurter Unternehmen begleitete nach eigenen Angaben den Markteintritt des Retail-Konzepts in Deutschland, für das Hamilton ein Joint Venture mit dem amerikanischen Sammelkarten-Spezialisten Dave and Adam’s Card World eingegangen ist. Ziel sei der Aufbau eines globalen Netzwerks außerhalb Nordamerikas mit einem Konzept, das neben dem Verkauf von Sammelkarten und Sammlerstücken auch auf Events für die Sammler-Community setze. In Frankfurt übernimmt Card Culture die ehemalige Swatch-Filiale am Roßmarkt mit rund 160 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die Eröffnung soll noch im Juni sein.
Cri-Cri ade
Diesmal ist wirklich Schluss. Ilse Kofler, die in mehr als fünfzig Jahren im Einzelhandel manchen Wechsel erlebte, hat Ende Mai ihr letztes Cri-Cri-Geschäft geschlossen und sich mit über siebzig Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Wenn der Mietvertrag für das Geschäft in der Steinwegpassage nicht ausgelaufen wäre – eine Verlängerung habe sie sich wegen ihres Alters nicht mehr zugetraut, sagt sie –, wer weiß, ob sie nicht bis zu ihrem achtzigsten Geburtstag durchgehalten hätte. Denn Kofler war bis zuletzt Einzelhändlerin mit Leib und Seele.

Ältere Frankfurter erinnern sich noch an das große hochwertige Einrichtungshaus am Roßmarkt (heute Urban Outfitters), in dem Cri-Cri auf drei Etagen und mehr als 1000 Quadratmetern Porzellan, Tischwäsche und Möbel verkaufte. Das war nicht immer so. Zunächst, in den Siebzigern, hatte die gelernte Buchhändlerin mit ihrem Mann eine Kette für billigen Nippes aus Asien gegründet, später dann die scharfe Kehrtwende hin zu Premium vollzogen. Nach dem Roßmarkt – Kofler wollte einen Umbau und eine Mieterhöhung nicht mitmachen – folgten diverse kleinere Standorte in der Stadt. Zuletzt war es das kleine Ladengeschäft in der Steinwegpassage, das von der Stammkundschaft weiterhin gefunden wurde. „Es war eine wunderschöne Zeit“, sagt Kofler. „Aber alles hört einmal auf.“
Lilo zurück an Hochstraße
Noch nicht ans Aufhören denkt Lilo Zeh. Die Frankfurter Mode-Ikone hat sich nach fünf Jahren mit ihrer Modeboutique vom Oeder Weg verabschiedet und ist an die Kleine Hochstraße zurückgekehrt, dorthin, wo sie vor dem Umzug ins Nordend bereits ein Geschäft betrieb und seitdem Lagerräume im Souterrain der Hausnummer 11 unterhält. Hier verkauft und berät die Modehändlerin, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren internationale Topdesigner in Deutschland bekannt machte, fortan. Parallel stellt sie ihre über die Jahre gesammelten besonderen Vintage-Kleidungsstücke aus. Das Konzept müsse sich erst noch einspielen, sagt sie.
Liebesdienste Studio mit Kunst
Gefeiert wird am Donnerstag auch in den ehemaligen Lilo-Räumen am Oeder Weg. Die werden von Goran Djukic als Vermieter jetzt selbst bespielt, mit einem Studio, in dem er Bilder, Fotografien und andere Kunstwerke von den Künstlern, vornehmlich aus Frankfurt, ausstellt, die ihm in den vergangenen 30 Jahren über den Weg gelaufen sind, wie er sagt. Und deren Kunst er nun erlebbar machen möchte. Kombiniert werden Fotografien und Bilder mit Wohnaccessoires, die Djukic in seinen beiden anderen Geschäften am Oeder Weg, Men Limited und Liebesdienste Lifestyle, verkauft. Demnächst soll auch die Frankfurter Designmöbelmarke e15 vertreten sein. Unter dem Motto „Der Ball ist bunt“ stellt der Frankfurter Designer Kai Staudacher aktuell seine Bilder zum Thema Fußball aus.

Ludwig Reiter und Jimmy Choo wieder an Goethestraße
Gleich zwei Schuhmarken, Ludwig Reiter und Jimmy Choo, die gegensätzlicher nicht sein könnten, sind in ihre alte Stammregion zurückgekehrt und haben neue Filialen an der Goethestraße eröffnet. Das Luxuslabel Jimmy Choo, dessen Bling-Bling-Schuhe und Glitzerstoffe in der Film- und Musikwelt gut angekommen, ist nach einer Pause zurückgekehrt, ein paar Hausnummern weiter vom früheren Sitz in ein Geschäftshaus Richtung Opernplatz, das lange Baustelle war. Direkt gegenüber, neben Jil Sander, hat das Wiener Traditionsunternehmen Ludwig Reiter, bekannt für sein feines, rahmengenähtes Schuh-Programm made in Wien, eine Filiale bezogen. Lange Zeit hatte das Traditionsunternehmen eine Filiale in einem versteckten Winkel am Rathenauplatz. Vor zehn Jahren dann zog man an die Schillerstraße in großzügige, aufwendig gestaltete Räume. Mit dem Standort sei man über viele Jahre sehr zufrieden gewesen, heißt es auf Anfrage. Doch Immobilienprojekte drum herum hätten das Unternehmen zu einem Wechsel bewogen. Die neue Fläche sei wesentlich kleiner, doch mit einem durchdachten Layout des Shops und einer Ausstattung, die auf naturnahe und handwerkliche Qualität setze, könne man viel wettmachen.

Who’s Perfect geschlossen
Seit längerem lief der Räumungsverkauf. Am vergangenen Samstag hat die Filiale der auf italienische Designmöbel zu günstigeren Preisen spezialisierten Möbelhauskette Who’s Perfect an der Hanauer Landstraße ihre Türen geschlossen. Die Filiale war vor fünf Jahren auf die rund 1000 Quadratmeter große Fläche des ehemaligen Dialogmuseums gezogen. Laut der Homepage der Nuova Modern Living GmbH in München, die vor drei Jahren eine Insolvenz in Eigenregie durchlaufen hat, wird auch der einzige Standort in Hamburg aufgegeben. Damit sind von ehemals 15 Möbelgeschäften in Deutschland noch vier übrig. Die deutsche Möbelbranche befindet sich seit der Corona-Pandemie in einer tiefen Krise, die Umsätze gehen seitdem deutlich zurück. Als Hauptursachen gelten die Marktsättigung nach dem Pandemie-Boom, die schwache Baubranche und die allgemeine Konsumzurückhaltung.
Rewe to go bald am Hauptbahnhof?
Der Rewe-Konzern hat seinen Convenience-Markt Rewe to go an der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel, der vor allem frische, verzehrfertige Lebensmittel verkaufte und auch am Sonntag geöffnet war, im April geschlossen. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass Rewe den Hauptbahnhof als neuen Standort für sein Convenience-Konzept ins Auge gefasst hat. Wie die zuständige Rewe-Tochtergesellschaft Lekkerland mitteilt, hat das Unternehmen den Mietvertrag nicht verlängert. Zu den Gründen könne man sich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen jedoch nicht äußern. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes sei man zufrieden gewesen, heißt es. Ob Rewe to go künftig am Hauptbahnhof zu finden sei, stehe noch nicht fest. Grundsätzlich wolle Rewe die Präsenz in Frankfurt ausbauen. Rewe to go gibt es 950 Mal in Deutschland, mehr als 900 Filialen sind an Aral-Tankstellen zu finden, die auch die Betreiber sind. Die rund 40 Standorte außerhalb von Tankstellen werden von Lekkerland oder Franchise-Partnern betrieben, vornehmlich an Bahnhöfen, Flughäfen und in Innenstädten, teilweise als Smart Stores ohne Personal. So einer befindet sich am Terminal 1 am Flughafen. Neu hinzugekommen ist ein klassischer Rewe to go mit Personal im öffentlichen Ankunftsbereich des Terminals 3. Dort arbeiten auch die Mitarbeiter von der Kaiserstraße.
Leguano sucht neue Ladenfläche
Erst vor drei Jahren war der Hersteller von Barfußschuhen Leguano an die Große Bockenheimer Straße gezogen und hatte hier seine 126. Filiale in Deutschland – inzwischen sind es mehr als 140 – eröffnet. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen aus Rheinland-Pfalz, das in Buchholz im Westerwald seinen Sitz hat und hier auch produziert, seinerzeit lange nach einer passenden Fläche in Frankfurt gesucht. Seit Kurzem ist das Geschäft wieder geschlossen. Als Grund nennt ein Sprecher die Kündigung vonseiten des Vermieters. Das Unternehmen ist bereits auf der Suche nach alternativen Räumen. Die Barfußschuhe seien bei Frankfurtern beliebt. Die nächsten Filialen liegen in Wiesbaden und Darmstadt. Leguano verzeichnete zuletzt einen Umsatz von 42 Millionen Euro. Verkauft werden die Schuhe über eigene Filialen und Vertriebspartner, auch im Ausland, etwa in den USA und in den Arabischen Emiraten.
Second Vintage in ehemaliger Industriefabrik
Noah Naber, der seit sechs Jahren den Onlineshop Second Vintage betreibt, hat nach mehreren Ladengeschäften auf Zeit in Hanau und Frankfurt, in denen er den stationären Verkauf testen konnte, jetzt eine feste Adresse in dem Fabrikgebäude an der Eschersheimer Landstraße gefunden, das vielen noch bekannt ist von der inzwischen im Bethmannhof beheimateten Eventlocation Massif Central. Naber verkauft in erster Linie ausgesuchte Secondhand- und Vintage-Mode, die er über Haushaltsauflösungen, Händler und Flohmärkte im In- und Ausland zusammensucht. Unter den Produkten sind auch Sammlerstücke, mit denen er sich vom Vintage-Hype und seiner Massenware absetzen möchte. Für weitere Partner – einer, Cedric Stransky, mit Silberschmuck, ist schon da – ist noch Platz. Das Konzept, zu dem auch eine Bar und Events gehören, soll erweitert werden, sagt Naber.

