Essen und Trinken, so soll es schon Sokrates gesagt haben, hält Leib und Seele zusammen. Das macht klar, dass man beim Mittagstisch mit Kollegen nicht nur den knurrenden Magen füllt. In Gesellschaft zu essen, gilt allgemein als gesünder als allein am Arbeitsplatz. Eine Betriebskantine bedeutet auch, dass Beschäftigte ihre Mittagspause nicht mit dem Gang zum Supermarkt oder an die Imbissbude verbringen müssen. Dadurch sparen sie Zeit und können die Pause besser nutzen. Eine längere, entspanntere Pause werde schließlich, wie viele Befragungen zeigten, als positiver Faktor für die Work-Life-Balance wahrgenommen.
Wie wichtig ein gutes Kantinenangebot für die Mitarbeitermotivation sein kann, weiß man auch bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank in Frankfurt. In deren außen goldig schimmernden Bürogebäude an der Theodor-Heuss-Allee geht es drinnen, was die Einrichtung angeht, eher unprätentiös zu. Was auf die Teller kommt, ist aber keinesfalls Massenware.
Bis zu 200 Mitarbeiter werden verpflegt
Das Team um Küchenchef Mario Engel versorgt bis zu 200 Mitarbeiter pro Tag mit Frühstück und Mittagessen. Dazu beginnen die insgesamt vier bei der Bank fest angestellten Köche und sechs weiteren Mitarbeiter schon um 6 Uhr in der Früh mit den Vorbereitungen. Denn es wird frisch gekocht. „Wir beziehen den Großteil an Fleisch, Fisch und Gemüse direkt von Erzeugern“, berichtet Engel. Die Doraden kämen aus einer Salzwasserzucht in der Nähe von Aachen, Pilze von einem Züchter aus Offenbach und das Gemüse von einem Hof bei Karben in der Wetterau. „Da kann es auch mal sein, dass es bei uns den Spargel erst zwei Wochen später gibt als woanders, weil er eben dort dann erst geerntet wird.“ Auch Fleisch und Geflügel liefern regionale Produzenten aus der Rhön oder einem Betrieb bei Gießen.

Dass bei heimischen Bauern eingekauft wird, ist für die Bank, die Landwirte mit Krediten unterstützt, Ehrensache, wie ein Unternehmenssprecher hervorhebt. Der Verzicht auf Vorproduziertes hat seinen Preis: Zwischen 3,50 und 9 Euro kosten die Gerichte die Mitarbeiter. Die höheren Preise entfielen dann aber auf Doradenfilets oder Roastbeef mit selbstgemachter Hollandaise und Beilagen. „Das zahlen die Gäste bei uns aber gern“, sagt Christian Flach, der als Verwaltungsleiter auch für die Kantine zuständig ist. Schließlich gebe es auch unter den mindestens drei Hauptgerichten günstigere Angebote, zu denen auch die vegetarischen und veganen zählten, die regelmäßig angeboten werden.
Wichtig ist dem Küchenteam auch, dass möglichst keine Lebensmittel weggeworfen werden. Darum gibt es täglich ein plat du jour – zum Beispiel ein Geröstel, in dem die Reste vom Schweinebraten des Vortags verarbeitet werden. Solche Gerichte oder auch Nudelaufläufe seien sehr beliebt. Doch es gibt auch die echten Kantinenklassiker: Schnitzel, Hamburger und Currywurst. Letztere allerdings nicht nur schlicht mit Pommes, sondern auch mit Jalapeños und elf weiteren Zutaten. Solche Gerichte werden auch gern mal am Montag oder Freitag auf die Speisekarte gesetzt. „Das bewegt so manche, an diesem Tag kein Homeoffice zu machen“, verrät Engel.
Dass ein gutes Kantinenangebot da hilfreich sein kann, bestätigen auch Umfragen des Beratungsinstituts Königsteiner Gruppe. Neben der Förderung von sozialer Interaktion können Arbeitgeber über Benefits dafür sorgen, dass Unternehmenspräsenz attraktiver werde, so Nils Wagener von der Beratungsgesellschaft. Kostenfreie Snacks am Arbeitsplatz und eine Kantine würden von 42 Prozent der Mitarbeiter als wichtige Anreize für mehr Präsenzarbeit empfunden. Doch nicht nur in dieser Hinsicht können Arbeitgeber von einer gut geführten Kantine mit gutem Essen profitieren. Auch Krankenstände lassen sich nach Schätzungen einiger Experten durch ein Angebot mit viel gesunder Kost reduzieren. Und nach einer Studie des Kantinenbetreibers Sodexo ist das auch von vielen Nutzern gewünscht. So gebe es einen Trend zu Flexitarismus, also häufigeren Mahlzeiten ohne Fleisch und ein wachsendes Interesse daran zu wissen, aus welcher Haltungsform Schnitzel, Kotelett und Hühnerbrust kämen.
Bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank können die Mitarbeiter das nachlesen. Denn dort hat das Kantinenteam ein eigenes Kochbuch zusammengestellt. Darin gibt es nicht nur Rezepte zum Nachkochen, sondern auch Berichte über die Produzenten von der Garnele bis zur Weihnachtsgans.
