Die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler (Grüne), sieht die Demokratie in Ostdeutschland trotz hoher Umfragewerte der AfD nicht grundsätzlich infrage gestellt. «Diejenigen, die die Demokratie erhalten wollen, sind auch im Osten nach wie vor in der Mehrheit», sagte die 78-Jährige dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Die Umfragen bereiteten ihr zwar große Sorgen. Zugleich erlebe sie in Sachsen-Anhalt aber eine «vielgestaltige und lebendige Zivilgesellschaft». Möglicherweise habe die von der AfD ausgehende Gefahr viele Menschen mobilisiert.
AfD liegt in Umfrage klar vorn
Eine kürzlich veröffentlichte Infratest-dimap-Umfrage sieht die AfD mit 42 Prozent klar vor der CDU mit 22 Prozent. Am Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt.
Angst vor erneutem Wohlstandsverlust
Die Erfolge der AfD im Osten führt Birthler unter anderem auf Ängste vor Wohlstandsverlust, die mangelnde Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der DDR und eine wenig ausgeprägte Streitkultur zurück. Viele Menschen hätten nach den Umbrüchen der 1990er Jahre Angst, erneut etwas zu verlieren. Dabei sähen sie nicht, «dass die Wahl der AfD dahin der sicherste Weg ist».
Birthler warnte zugleich vor pauschalen Urteilen über Ostdeutsche. Viele Unterschiede zwischen Ost und West seien gradueller und nicht grundsätzlicher Natur. Auch in westdeutschen Regionen gebe es Probleme und Menschen, die von der AfD Lösungen erwarteten. Die Aussage eines Historikers, viele Westdeutsche hätten von den Ostdeutschen und deren autoritären Neigungen «die Nase voll», bezeichnete Birthler als «eine Frechheit».
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